Das Mittelalter

├ťbersicht

Einf├╝hrung

Der Ausdruck "Mittelalter" wurde in der westlichen Welt gebraucht, um jene 1.000 Jahre zu umschreiben, die in der europ├Ąischen Geschichte den Zeitraum von etwa 500 bis 1500 n. Chr. umfassen. Der Beginn des Mittelalters ist durch den Untergang des R├Âmischen Westreiches gepr├Ągt, dem allgemein anerkannten Ende der klassischen Antike. Das Ende des Mittelalters wird durch den Beginn der Renaissance ("Wiedergeburt" Europas) markiert. Wichtige Ereignisse, die f├╝r das Ende dieser Zeit stehen, sind der Untergang Konstantinopels im Jahre 1453, der erste Einsatz der Druckpresse im Jahre 1456, die Entdeckung Amerikas durch die Europ├Ąer im Jahre 1492, die Protestantische Reformation durch Martin Luther im Jahre 1517 und die Bl├╝tezeit der K├╝nste in Italien. Somit steht das Mittelalter zwischen der Antike und der Neuzeit.

Die geschichtlichen Epochen in Asien und im Nahen Osten lassen sich nicht einfach unter dem Begriff des europ├Ąischen Mittelalters einordnen. China entwickelte sich allm├Ąhlich und ohne die gro├čen St├Ârungen, die Europa aufgehalten hatten, von pr├Ąhistorischen Zeiten bis hin zum Anbruch einer westlichen Neuzeit. Es erlebte zwar die Herrschaft verschiedener Dynastien und litt unter Invasionen, doch seine Kultur konnte sich stetig weiterentwickeln. Auch f├╝r Japans Kulturgeschichte trifft dies zu, wobei Japan weitestgehend sich selbst ├╝berlassen wurde. Die Geschichte des Nahen Ostens zeigt deutlichere Bez├╝ge zu der des europ├Ąischen Mittelalters, da die beiden Regionen aneinander angrenzten und eine Wechselwirkung bestand.

Die neue politische Landschaft

Die Aufl├Âsung des Regierungssystems und der Gerichtsh├Âfe des Heiligen R├Âmischen Reiches ging mit einem weitgehenden Zerfall der r├Âmischen Kultur einher. Kriegerische Stammeshorden waren die neuen Herrscher. Ein starker F├╝hrer umgab sich mit loyalen Kriegern, die mit der Beute aus ├ťberf├Ąllen entlohnt wurden. Das R├Âmische Recht wurde durch Stammesrechte abgel├Âst. Sie basierten darauf, dass Gerichtsverhandlungen durch Kampf und Schw├╝re entschieden wurden. Auf der Grundlage von Sippenzugeh├Ârigkeit entstanden allm├Ąhlich kleine K├Ânigreiche, die zu regieren jedoch schwierig war. Es mangelte an f├Ąhigen Staatsbeamten, die Verbindungswege waren schlecht, der Handel stagnierte, und es war wenig oder gar kein Geld im Umlauf. Die Menschen ├╝berlebten durch eine Landwirtschaft, die ausschlie├člich der Selbstversorgung diente. Die Lebensumst├Ąnde jener Zeit werden als widrig und brutal beschrieben, das Leben selbst war meist nur von kurzer Dauer. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 30 Jahre, wobei diese Ziffer allerdings durch die niedrige ├ťberlebensrate von Kindern und die hohe Sterblichkeit von Frauen bei der Geburt ihrer Kinder verzerrt wird.

Zu Beginn des Dunklen Zeitalters sah die Machtverteilung in Europa wie folgt aus:

*  Franken: gro├če Teile des heutigen Frankreich
    und Teile Deutschlands entlang des Rheins.

*  Ostgoten: Norditalien, Schweiz und der Balkan.

*  Westgoten: Spanien und Portugal.

*  Vandalen: Westliches Nordafrika, Sizilien und
    S├╝ditalien.

*  Verschiedene germanische St├Ąmme einschlie├člich
    Sachsen und Langobarden: Deutschland.

*  Angelsachsen: England.

*  Kelten: Wales, Irland, Schottland und Britannien.

*  Magyaren: Ungarn.

*  Slawen: Polen und Westrussland.

*  Byzantiner: T├╝rkei, Pal├Ąstina, ├ägypten, Syrien und
    ein Gro├čteil des Balkans inklusive Griechenlands.

In den anschlie├čenden Jahrhunderten kam es zu folgenden Ver├Ąnderungen:

*  Vandalen: wurden besiegt und von den Byzantinern
    abgel├Âst.

*  Westgoten: wurden besiegt und in Frankreich von
    den Franken, in Spanien und Portugal von den
    Arabern abgel├Âst.

*  Ostgoten: wurden angegriffen und letztendlich von
    den Langobarden (Italien) und Byzantinern (Balkan)
    eingenommen.

Als Dunkle Zeit wird der Zeitraum von 500 bis 1000 n. Chr. betrachtet. Die drei entscheidenden Faktoren, die diese Zeit pr├Ągten und sie schlie├člich zu einem Ende f├╝hrten, waren die Verbreitung neuer Religionen, der Aufstieg des Fr├Ąnkischen Reiches und die Raubz├╝ge der Wikinger.

Die Wiederbelebung der Wirtschaft

Zu Beginn der Dunklen Zeit war Nordeuropa noch ├╝berwiegend mit Wald bedeckt. Doch schon um 1000 n. Chr. war ein Gro├čteil der W├Ąlder von der Landkarte verschwunden, und auch die ├╝brig gebliebenen W├Ąlder sollten noch in erheblichem Ma├če abgeholzt werden. An die Stelle des Waldes traten Ackerland und Weiden. Der Boden hatte meist eine hervorragende Qualit├Ąt. Es war ein L├Âss aus fein gemahlenem Stein, der sich w├Ąhrend der j├╝ngsten Eiszeit abgelagert hatte. Zwei entscheidende Erfindungen beschleunigten den Abholzungsprozess in Europa und f├╝hrten zu einem Anstieg der Nahrungsmittelproduktion. Die erste war die Erfindung eines speziellen Pferdegeschirrs, das seinen Ursprung in China hatte und von dort allm├Ąhlich Richtung Westen vordrang. Das verbesserte Geschirr passte ├╝ber die Brust eines Pferdes ohne dessen Luftr├Âhre abzudr├╝cken, so dass das Tier erheblich schwerere Lasten ziehen konnte, ohne dabei zu ersticken. Die zweite Erfindung war ein R├Ąderpflug, der gebraucht wurde, um den tiefen Boden und das weit verzweigte Wurzelsystem der alten W├Ąlder aufrei├čen zu k├Ânnen. Der drastische Anstieg der Nahrungsmittelproduktion war die Ursache f├╝r Bev├Âlkerungswachstum und eine Wiederbelebung der Wirtschaft in Europa.

Viele Menschen, die nicht mehr auf den Landg├╝tern gebraucht wurden, siedelten in die St├Ądte ├╝ber. Dort hatte durch den Bedarf an gr├Â├čeren M├Ąrkten bereits ein Wachstumsprozess begonnen. Nahrungsmittel├╝bersch├╝sse und Erzeugnisse aus den neuen Produktionszweigen (z. B. Tuchmacherei, Schiffbau und Werkzeugmacherei) wurden auf den neuen M├Ąrkten und Handelsmessen verkauft. Die K├Ânige f├Ârderten die Entwicklung der St├Ądte, denn ihre Einwohner waren in der Regel mehr mit der Zentralgewalt als mit den Feudalherren auf dem Lande verbunden. Die Stadtbewohner zahlten Steuern und leisteten keinen Feudaldienst. In den St├Ądten entstand eine neue Mittelschicht, die ihren Lebensunterhalt mit Handel, Produktion und Geldverleih bestritt. Die Kaufleute wurden reich und m├Ąchtig und hatten den gr├Â├čten Einfluss in den Stadtverwaltungen.

Handwerker und H├Ąndler gr├╝ndeten Vereinigungen, die Gilden oder Z├╝nfte genannt wurden. Diese Vereinigungen ├╝berwachten Preise und Produktion, sorgten f├╝r einen hohen Dienstleistungs- und Produktionsstandard und organisierten die Handwerksausbildung durch eine Lehre. Die Kontrollen sicherten einerseits eine hohe Qualit├Ąt der Erzeugnisse und andererseits eine hohe Lebensqualit├Ąt der Zunftmitglieder. Die Mitglieder einer Zunft konzentrierten sich oft in einem Stadtteil, wie etwa in der Threadneedle Street ("Schneider-Stra├če") oder der Ironmongers Lane ("Eisenh├Ąndlergasse") in London. Die Z├╝nfte stellten einen einflussreichen Machtfaktor in den politischen Strukturen der St├Ądte dar.

Die Zunahme der Handelsaktivit├Ąten war von einem erneuten Aufschwung der Warenproduktion begleitet. Beide Faktoren f├╝hrten zur Entstehung des Bankwesens, das seinen Mittelpunkt im 13. Jahrhundert in Norditalien hatte. Damit neue Gesch├Ąfte gegr├╝ndet werden und gewinnbringend arbeiten konnten, wurde Geld ben├Âtigt. Geld diente als Zahlungsmittel und Werteinheit und war wichtig, um den unproduktiven Tauschhandel zu ├╝berwinden. Italien hatte durch seinen ertragreichen Mittelmeerhandel, insbesondere mit den Levantinern, Geld├╝bersch├╝sse. Der Goldflorin aus Florenz wurde zur bekanntesten M├╝nze des sp├Ąten Mittelalters.

Religion

Pilger

Christen stellten ihren Glauben durch Pilgerfahrten nach Rom, Santiago de Compostela und sogar Jerusalem unter Beweis. Pilger, die in Santiago de Compostela gewesen waren, trugen als Erkennungszeichen Herzmuscheln aus Stoff auf ihrer Kleidung.

Kathedralen

Der Reichtum des 12. Jahrhunderts und der Zeit danach fand in zunehmendem Ma├če in den K├╝nsten, insbesondere in der Architektur seinen Ausdruck. Das herausragende Symbol der mittelalterlichen Baukunst war die Kathedrale. Pr├Ąchtige Kirchenbauten wurden zu Ehren Gottes als Dank f├╝r die den Menschen zuteil gewordenen Segnungen errichtet. Die St├Ądte wetteiferten miteinander beim Bau der prunkvollsten Kathedrale und der am weitesten in den Himmel reichenden T├╝rme. Kathedralen waren die gr├Â├čten finanziellen Unternehmungen jener Epoche. Ihre Erbauung nahm oft ein ganzes Jahrhundert in Anspruch und kostete ein Verm├Âgen.

Kathedralen wurden haupts├Ąchlich aus Stein erbaut, was die Brandgefahr gering hielt. In der damaligen Zeit gab es nur wenig Stahl, und Eisen war zu weich, um diese riesigen Bauwerke mit ihrer bisher nicht da gewesenen H├Âhe st├╝tzen zu k├Ânnen. Die Architekten fanden neue L├Âsungen f├╝r alte Probleme, indem sie Spitz- und Strebebogen konstruierten, die die Belastung von gew├Âlbten Decken auf massive steinerne St├╝tzpfeiler verteilen sollte. Die Neuerungen in der Baukunst erm├Âglichten den Bau gro├čer, offener Kathedralen, gro├čer Fenster (oft aus wundersch├Ânem bunten Glas) und hoher T├╝rme. Die Franzosen waren die Pioniere beim Bau neuer Kathedralen. Der Grundstein f├╝r die Kathedrale Notre Dame in Paris wurde 1163 gelegt, 72 Jahre sp├Ąter war sie fertig gestellt. Mit der Kathedrale von Chartres wurde 1120 begonnen, 1224 war das Werk vollendet, nachdem es zwei Mal w├Ąhrend der Bauzeit niedergebrannt war.

Kathedralen waren von entscheidender Bedeutung f├╝r Stolz und Ansehen einer Stadt. Durch Pilger und neue Kirchg├Ąnger erh├Âhten sich die Einnahmen der Stadt, in der die Kathedrale stand.

Das Landgut

Die am h├Ąufigsten vorkommende Form eines Lehens war der Landbesitz, auch Landgut genannt. Im Mittelalter arbeiteten neun Familien auf einem Landgut und erwirtschafteten Nahrungsmittel zur eigenen und zur Versorgung einer zehnten Familie, die sich einer anderen Aufgabe widmete. (In den Vereinigten Staaten liegt das Verh├Ąltnis heutzutage bei etwa 100 zu 1 in umgekehrter Richtung).

Ein typisches Landgut bestand aus einem herrschaftlichen Haus oder einer Burg, umgeben von Feldern, Landh├Ąusern, Weiden und Wald. Die Landg├╝ter waren weitestgehend Selbstversorger. ├ťbersch├╝sse von Erzeugnissen wurden bei anderen Landg├╝tern gegen Mangelwaren eingetauscht. Im Laufe des Mittelalters und mit dem Wachstum der M├Ąrkte in den St├Ądten begannen sich die Landg├╝ter auf wenige Erzeugnisse zu spezialisieren und so ihre Herstellung produktiver zu machen. Einige Landg├╝ter spezialisierten sich z. B. auf K├Ąse, Schweinezucht, Wein, Getreide oder Gem├╝se.

Der Herr eines Landgutes, der Gutsherr, bewohnte das Gutshaus oder die Burg mit seiner Familie, der Dienerschaft und seiner Gefolgschaft. Letztere waren gew├Âhnlich Ritter und S├Âldner, die Schutz bieten und den feudalen milit├Ąrischen Verpflichtungen gegen├╝ber den ├╝bergeordneten Lehnsherren nachkommen sollten. Je gr├Â├čer das Landgut, desto gr├Â├čer war auch die Gefolgschaft des Gutsherrn.

Die Bewohner eines Landgutes waren vor allem Bauern, die nicht dem Adel angeh├Ârten. Die Knechte waren haupts├Ąchlich Leibeigene, die die halbe Woche auf dem Land des Gutsherren arbeiteten und als Gegenleistung daf├╝r unter dessen Schutz standen. Jede Familie von Leibeigenen besa├č einige Reihen auf den Feldern des Landgutes und konnte dadurch den eigenen Lebensunterhalt bestreiten. Leibeigene waren keine Sklaven, doch frei waren sie auch nicht. Ohne die Erlaubnis des Herren durften sie weder heiraten, noch eine andere Arbeit annehmen oder das Landgut verlassen. Leibeigene besa├čen im Gegensatz zu Sklaven jedoch bestimmte Rechte. Ihre Stellung war erblich und konnte innerhalb der Familie weitergegeben werden. Solange sie ihren Verpflichtungen nachkamen, konnte ihnen das Land auch nicht genommen werden. W├Ąhrend das Verh├Ąltnis zwischen Vasall und Lehnsherr dem von Leibeigenem und Gutsherrn vergleichbar zu sein scheint, so erfolgte im Mittelalter durch einen "Ehrenvertrag" eine klare Abgrenzung zwischen Kriegsdienst und blo├čer manueller Arbeit.

Technische Fortschritte im Ackerbau wandelten allm├Ąhlich das Leben der Leibeigenen im Mittelalter. Die Produktion von Nahrungsmitteln stieg an, und die ├ťbersch├╝sse wurden verkauft. Auf diese Weise kamen die Leibeigenen zu Geld, mit dem sie sich ihre Freiheit erkaufen konnten. Gegen Ende der Epoche gab es nur noch wenig Leibeigene in Westeuropa.

Das Kriegswesen im Mittelalter

Das traditionelle und allgemeine Verst├Ąndnis vom europ├Ąischen Kriegswesen im Mittelalter geht davon aus, dass es die Ritter waren, die in den Jahren 800 bis 1400 die europ├Ąischen Schlachtfelder beherrschten. Die Ritter trugen R├╝stungen und waren mit Lanzen bewaffnet, um jede Fu├čtruppe, die sich ihnen in den Weg stellte, auseinanderzutreiben, aufzuspie├čen oder niederzutrampeln, um dann im Kampf gegen den gegnerischen Ritter die Schlacht entscheiden zu k├Ânnen. Die Ritterzeit fand ihr Ende, als die Infanterie mit neuen Waffen (Feuerwaffen) und einer wieder entdeckten Kampftaktik (Formationen von Pikenieren) wieder eine wichtige Rolle auf dem Schlachtfeld einnahm. Die Auffassung von einem dominierenden Ritterschaft wurde durch die Kunst und die wenigen Berichte aus jener Zeit unterst├╝tzt, die immer wieder den berittenen Adligen darstellten und den zu Fu├č k├Ąmpfenden einfachen B├╝rgern und Bauern keine Beachtung schenkten. Die Vorstellung, dass die Ritter und berittene Angriffe die Kriegf├╝hrung beherrschten, entspricht jedoch nicht der Wahrheit.

Fu├čtruppen waren ein wichtiger Bestandteil jedes mittelalterlichen Heeres. Sie k├Ąmpften in Handgemengen und als bewaffnete Truppen (mit verschiedenen Typen von B├Âgen und sp├Ąter mit Handfeuerwaffen). Das Fu├čvolk war f├╝r beide Seiten entscheidend bei Belagerungen von Burgen und befestigten St├Ądten.

Das Kriegswesen im Mittelalter wurde von Belagerungen jeglicher Art bestimmt. Offene Schlachten zwischen Heeren kamen eher selten vor. Die Heere betrieben eine Art Schachspiel mit verschiedenen Man├Âvern, um wichtige Burgen und St├Ądte einzunehmen, w├Ąhrend sie Schlachten, in denen eine gro├če und teure Streitmacht verloren gehen konnte, vermieden.

In den gelegentlich stattfindenden offenen Schlachten konnten sich die Ritter als verheerend erweisen. Ein entschlossener Angriff von gepanzerten Rittern war eine m├Ąchtige Waffe. Trotzdem war es wahrscheinlicher, dass jene Seite den Sieg davontrug, die es am besten verstand, die drei Hauptbestandteile des Heeres - Infanterie, Artillerie und Kavallerie - miteinander zu kombinieren. Ebenfalls wichtig waren die Faktoren, die den Ausgang von Schlachten seit jeher beeinflussen, wie zum Beispiel die intelligente Nutzung des Gel├Ąndes, die Truppenmoral, F├╝hrungsqualit├Ąten, Disziplin und Taktik.

Waffen im Mittelalter

Lange Zeit kam es im Mittelalter im Vergleich zur Antike nur zu geringf├╝gigen Weiterentwicklungen in der Waffentechnologie. Die Waffen waren in erster Linie Varianten von Kn├╝ppel, Messer, Speer, Axt und Pfeil. Eine wichtige Neuerung war der Reiter in schwerer R├╝stung, der die Lanze einsetzte. Der Ritter war erheblich m├Ąchtiger als jeder berittene Krieger der Antike. Nur die Kavallerie der Waffengef├Ąhrten Alexanders des Gro├čen ist in etwa vergleichbar.

Bis zum 10. Jahrhundert hatte Europa die Antike auf fast allen Gebieten, einschlie├člich der Waffentechnik, ├╝berholt. Das Emporkommen des Reiters in schwerer R├╝stung l├Âste neue Entwicklungen aus, denn die herk├Âmmlichen Waffen reichten nicht aus, um sich gegen ihn zur Wehr zu setzen. So entstanden neue Waffentypen, die zur Abwehr und zum Angriff gegen die Ritter dienten.

Der Langbogen und die Armbrust waren Erfindungen des Westens, wenn auch die Armbrust im alten China schon bekannt war.

Die revolution├Ąre technische Neuerung des Mittelalters war die Entwicklung von Waffen, die mit Schie├čpulver arbeiteten. Es handelte sich um Kanonen und Handfeuerwaffen, ├╝ber die sp├Ąter noch berichtet wird.

Handwaffen 1

Der dritte wichtige Bestandteil des mittelalterlichen Heeres waren neben der Kavallerie und den bewaffneten Truppen die mit Handwaffen ausger├╝steten Fu├čtruppen. Die Infanterie k├Ąmpfte Mann gegen Mann und war im offenen Kampf ebenso wichtig wie bei Belagerungen. Zur Infanterie z├Ąhlten Bauern, einfache Soldaten und unberittene Ritter.

Handwaffen 2

In der Dunklen Zeit k├Ąmpften die Franken mit einer Schleuderaxt namens "Francisca", von der sich der Name ihres Stammes ableitet. Die benachbarten Sachsen k├Ąmpften mit einem langen, einseitigen Messer namens "Scramasax", von dem sich der Name ihres Stammes ableitet.

Mit dem Aufkommen der schweren Kavallerie entstand das Gro├čschwert, das auch im unberittenen Nahkampf eingesetzt wurde. Unter den verschiedenen Varianten des Schwertes gab es eine zweih├Ąndige Version, die zu f├╝hren sehr viel Platz erforderte. Die unberittenen Krieger setzten eine Vielzahl von Waffen ein, darunter die (sowohl einseitige als auch zweiseitige) Streitaxt, Streikolben, Morgensterne und H├Ąmmer. Eine Variante des Streitkolbens war eine mit Dornen versehene Kugel, die mit einer Kette an einem Stab befestigt war. Als die R├╝stungen verbessert wurden, um die Wirkung des Schwertes abzuschw├Ąchen, wurde Hieb- und Stichwaffen der Vorzug gegeben.

Stangenwaffen

Das gesamte Mittelalters hindurch war der Speer eine n├╝tzliche Waffe, da er g├╝nstig in der Herstellung und einfach zu nutzen war. Einfache Fu├čsoldaten und Bauern wurden mit Speeren ausger├╝stet und in die Schlacht geschickt. In den meisten F├Ąllen war ein solches Hilfsmittel nur von geringem Nutzen, aber mit etwas Erfahrung und Ausbildung konnten gro├če Truppen von Speerk├Ąmpfern sehr wirkungsvoll sein.

Stangenwaffen wurden das gesamte Mittelalter hindurch weiterentwickelt, so dass schlie├člich Fu├čtruppen, die im Umgang mit Stangenwaffen ausgebildet waren, eine ausgesprochen wirkungsvolle Streitmacht bildeten. Fortschrittlichere Stangenwaffen bestanden aus einer Speerspitze, unter der noch mindestens eine weitere Waffe befestigt war. Diese zus├Ątzliche Waffe konnte eine gro├če, lange Klinge, eine Streitaxt, ein Hammer oder ein Stachel sein.

Langstielige Waffen wurden entwickelt, um sie den Rittern zu Pferd entgegenzusetzen und f├╝hrten schlie├člich zum Wiederaufleben einer Truppenaufstellung, die der antiken griechischen Phalanx ├Ąhnelte. Pferde griffen keine disziplinierte Formation von M├Ąnnern an, aus der zus├Ątzlich noch langstielige Waffen hervorragten. Dichte Reihen hoch gehaltener Stangenwaffen boten auch einen gewissen Schutz vor Pfeilen.

Zuerst lernten die Fu├čsoldaten, sich hinter h├Âlzerne Pf├Ąhle zu stellen, die in den Boden gerammt wurden, um die Kavallerie abzuwehren. Dann lernten sie, die Kavallerie mit Hilfe ihrer Speere, Piken und anderer Stangenwaffen abzuwehren. Eine Formation von Fu├čsoldaten war so in der Lage, sich fortzubewegen und dabei die Pf├Ąhle zur Abwehr der Kavallerie mitzunehmen. In einem Handgemenge wurden die diversen, am Ende des Stabes zu befestigenden Waffen dazu eingesetzt, Reiter von ihren Pferden zu ziehen oder zu sto├čen bzw. den Reiter oder sein Pferd zu verletzen. Obwohl zu Boden gest├╝rzte Ritter in R├╝stungen nicht, wie allgemein angenommen, vollkommen hilflos waren, waren sie zumindest zeitweilig den M├Ąnnern mit wenig oder ohne R├╝stung gegen├╝ber im Nachteil, bevor sie sich wieder aufrichten konnten.

Mit dem Wachstum der St├Ądte in der zweiten H├Ąlfte des Mittelalters begannen diese, ihre eigene B├╝rgerwehr zur Verteidigung oder f├╝r den dem Feudalherrn geschuldeten Kriegsdienst aufzustellen. In der B├╝rgerwehr waren die Stangenwaffen weit verbreitet, da sie zu einem geringen Preis erworben werden konnten und trotzdem eine hohe Wirkung erzielten. B├╝rgerwehren exerzierten mit diesen Waffen und entwickelten n├╝tzliche Taktiken f├╝r die Schlacht. Mit der Zeit lernten Stangenwaffenk├Ąmpfer, sich offensiv zu verhalten, nicht nur defensiv. Massierte Formationen von Pikenieren konnten andere Infanterie- und sogar Kavallerietruppen angreifen. Die Schweizer verf├╝gten nicht ├╝ber das notwendige Gel├Ąnde, um berittene Truppen aufzustellen, wurden jedoch als Pikeniere ber├╝hmt. Oft verdingten sie sich als S├Âldner in anderen Heeren auf dem Festland. Die von den St├Ądten in den Ebenen von Flandern und dem schottischen Hochland ins Feld geschickten Pikeniere genossen ebenfalls hohes Ansehen.

Fernwaffen

Unterschiedliche Arten von B├Âgen spielten w├Ąhrend des gesamten Mittelalters eine wichtige Rolle in der Kriegf├╝hrung. Sie wurden im direkten Kampf auf dem Schlachtfeld und bei Belagerungen eingesetzt, gelegentlich auch, um ganze Gebiete unter Beschuss zu nehmen.

Bogen und Armbrust boten die M├Âglichkeit, dem Gegner bereits aus der Entfernung Verluste zuzuf├╝gen. Bogensch├╝tzen wurden als leicht bewaffnete Truppen eingesetzt, die f├╝r erste Opfer sorgen und die Moral der gegnerischen Truppe bereits im Vorfeld des eigentlichen Gefechts schw├Ąchen sollten. Konnte der Feind schon fr├╝h geschw├Ącht oder ersch├╝ttert werden, erh├Âhten sich die Chancen der anderen Seite f├╝r einen Sieg.

B├Âgen

Im Mittelalter wurden verschiedene Typen von B├Âgen verwendet, darunter der Kurzbogen, der Kompositbogen und der Langbogen. Der Kurzbogen war ca. 1 bis 1,20 m lang und verh├Ąltnism├Ą├čig einfach zu fertigen und zu bedienen. Er wurde vielerorts eingesetzt und war der am weitesten verbreitete Bogen. Er hatte eine mittlere Reichweite, Durchschlagskraft und Treffsicherheit und erforderte solide Kenntnisse, um wirkungsvoll eingesetzt werden zu k├Ânnen.

Der Kompositbogen stammte urspr├╝nglich aus Asien. Er bestand aus mehreren Holz- oder Knochenstreifen, die zu einem Bogen zusammengef├╝gt wurden. Durch diese Ma├čnahme konnte der Bogen wesentlich wirksamer eingesetzt werden, er erforderte aber auch mehr Kraft und ├ťbung als der einfache Bogen. Der relativ kurze Bogen war insbesondere bei den Mongolen und anderen asiatischen Reiterv├Âlkern die bevorzugte Waffe der berittenen Bogensch├╝tzen. Eine Variante des Kompositbogens wurde bei der Herstellung an den beiden Enden durch Dampf gebogen. Dieser spezielle Bogen erzeugte eine gr├Â├čere Durchschlagskraft, seine Handhabung bedurfte aber auch eines hohen Ma├čes an St├Ąrke und Geschick.

Der urspr├╝nglich aus Wales stammende Langbogen fand weite Verbreitung in England. Es war ein etwa 1,80 m langer Bogen, der aus einem einzigen St├╝ck Holz, meist Eibenholz, gefertigt wurde. Mit dem Langbogen konnte ein etwa 1 m langer Pfeil abgeschossen werden. Im Einsatz gegen die Infanterie wurden Pfeile mit breiten Spitzen gew├Ąhlt, um die Lederr├╝stung der Soldaten zu durchdringen und Fleischwunden zu verursachen. Wurden sie gegen Soldaten in R├╝stung eingesetzt, so wurden die Pfeile mit schmalen Spitzen versehen, um Kettenhemden und Metallr├╝stungen zu durchbohren. Die korrekte Handhabung eines Langbogens erforderte eine langwierige Ausbildung und sehr viel ├ťbung. Gute Sch├╝tzen konnten sechs gezielte Sch├╝sse pro Minute abgeben. Langb├Âgen hatten eine gro├če Reichweite und Durchschlagskraft. Gro├če Kontingente erfahrener Langbogensch├╝tzen stellten auf vielen Schlachtfeldern des Mittelalters eine verheerende Streitmacht dar. Sie konnten gezielte Einzelsch├╝sse abgeben oder ein ganzes Gebiet mit einem Pfeilhagel ├╝berziehen.

Die Engl├Ąnder f├Ârderten den Gebrauch des Langbogens durch Bogensch├╝tzenturniere im ganzen Land. An Sonntagen war jeder andere Sport verboten. Auf diese Weise entstand eine gro├če Auswahl an erfahrenen Bogensch├╝tzen, die jederzeit rekrutiert werden konnten. Jede englische Grafschaft war dem Gesetz nach verpflichtet, pro Jahr eine bestimmte Anzahl an Bogensch├╝tzen zu stellen. Da der Soldatensold verglichen mit dem Lohn f├╝r andere Arbeiten sehr hoch war, standen gew├Âhnlich immer ausreichend Bewerber zur Verf├╝gung.

Armbr├╝ste

Die Armbrust war bereits im alten China bekannt, doch es scheint, dass sie in Europa um 900 neu erfunden wurde. Sie hatte eine gro├če Reichweite und eine bessere Durchschlagskraft als die meisten B├Âgen, nahm jedoch wesentlich mehr Zeit f├╝r das Laden in Anspruch. Ein Armbrustsch├╝tze konnte im Durchschnitt zwei Sch├╝sse pro Minute abgeben.

Der Bogen der Armbrust wurde waagerecht gehalten, und der Schuss mit einem Ausl├Âser abgegeben, der die gespannte Bogensehne l├Âste. Um die Armbrust zu laden, musste ihre Spitze auf den Boden zeigen und mit dem Fu├č in dieser Position gehalten werden. Die Bogensehne wurde mit beiden H├Ąnden oder mit Hilfe einer Winde  hochgezogen. Als Geschosse wurden Stralen oder Bolzen benutzt, die k├╝rzer waren als die ├╝blichen Pfeile. Stralen waren mit Federn zur Stabilisierung der Flugrichtung versehen und besa├čen eine Metallspitze.

Armbrustsch├╝tzen trugen in der Schlacht oft eine Pavese, um sich w├Ąhrend des Nachladens zu sch├╝tzen. Die Pavese war ein hoher Schutzschild mit h├Âlzernen Klammern. Eine Truppe von Armbrustsch├╝tzen konnte mit diesen Schilden eine Mauer bilden, hinter der sie sich zum Laden verschanzen konnte. Beim Abschuss ragten nur die Armbr├╝ste und die Helme ├╝ber der Mauer hervor. Mussten die Sch├╝tzen in einem offenen Gefecht gegen eine vergleichbare Truppe von Langbogensch├╝tzen antreten, so waren sie gew├Âhnlich zum R├╝ckzug gezwungen.

Die Armbrust war eine t├Âdliche Waffe und sehr beliebt, da ihre Handhabung nur wenig ├ťbung erforderte. Auch unerfahrene Soldaten lernten den Umgang mit einer Armbrust sehr schnell, und ein gezielter Schuss konnte einen Ritter, der sich sein Leben lang im Umgang mit der Waffe ge├╝bt hatte, ohne weiteres t├Âten. In manchen Kreisen, insbesondere unter den Rittern, galt der Kampf mit der Armbrust als unehrenhaft, da sie so wenig Geschick und ├ťbung erforderte. K├Ânig Richard I. von England, genannt Richard L├Âwenherz, wurde zweimal vom Bolzen einer Armbrust verwundet. Der zweite Treffer erwies sich als t├Âdlich. Die Vorstellung, dass so bedeutende M├Ąnner von einfachen Soldaten oder M├Ąnnern von noch niedrigerem Rang get├Âtet werden konnten, emp├Ârte den Adel. Im 12. Jahrhundert versuchte ein Papst die Armbrust, mit der Begr├╝ndung sie sei unmenschlich, zu verbieten.

Das Heer im Mittelalter

Die ersten mittelalterlichen Heere bestanden aus kriegerischen Horden, wie es sie bereits in der Antike gegeben hatte. Aus ihnen gingen die Feudalheere hervor, die aus den Vasallen eines Lehnsherrn und deren Gefolge bestanden. Die Vasallen waren verpflichtet, j├Ąhrlich f├╝r eine gewisse Zeit Kriegsdienst zu leisten. Anfangs zogen sie gemeinsam mit den Berufssoldaten des Grundherrn f├╝r einige Wochen oder Monate in den Krieg. Sp├Ąter erh├Âhte sich die Zahl der Berufssoldaten und S├Âldner in den Heeren der K├Ânige und der wohlhabenden Adligen. Gegen Ende dieser Epoche leisteten die Vasallen nicht mehr Kriegsdienst, sondern Abgaben in Form von Geld. Diese "Kriegssteuer" erm├Âglichte es den K├Ânigen, das ganze Jahr ├╝ber ein Heer zu unterhalten.

F├╝r die Ritter war der Kriegsdienst eine Frage der Pflicht und Ehre. Sie lebten f├╝r den Kampf. Erfolg in der Schlacht war der schnellste Weg, um Wohlstand und Anerkennung zu erlangen. F├╝r die S├Âldner hingegen geh├Ârte das K├Ąmpfen zum Beruf. H├Ąufig verdingten sich die j├╝ngeren S├Âhne adliger Herren als Berufssoldaten, denn ihnen blieb kaum etwas, nachdem der ├Ąlteste Sohn das Erbe der Familie angetreten hatte. Auch f├╝r die einberufenen Bauern bedeutete der Kriegsdienst eher eine Pflicht als eine Ehre.

Im 14. und 15. Jahrhundert traten immer mehr B├╝rgerliche dem Berufsheer bei, da die Bezahlung in der Regel deutlich ├╝ber dem lag, was friedlichere T├Ątigkeiten einbrachten. Au├čerdem ├╝bte die Aussicht auf Beute eine starke Anziehungskraft aus. Stammeskrieger hielten ihrem H├Ąuptling die Treue, solange er sie mit Nahrung und Beute versorgte. Diese Ideale hatten ihre Geltung bis ins Zeitalter des Feudalismus behalten. Niederrangige Ritter und Fu├čknechte brannten darauf, an einem Angriff gegen eine reiche Stadt oder eine Burg teilzunehmen, denn Festungen, die Widerstand leisteten, bargen in der Regel reiche Beute. Ein Soldat konnte durch die Eroberung einer Stadt sein Jahresgehalt vervielfachen. Auch offene Schlachten konnten lukrativ sein. R├╝stung und Waffen der Gefallenen konnten verkauft werden, gefangen genommene Ritter brachten L├Âsegeld ein.

Organisation

Verglichen mit den gro├čen nationalen Armeen moderner Zeiten war die Organisation der Feudalheere einfach. Bis zum Ende dieses Zeitalters gab es keine stehenden Regimenter, Divisionen oder Korps. Wurde eine Feudalarmee zusammengerufen, begab sich jeder Vasall mit seinem Gefolge von Rittern, Bogensch├╝tzen und Fu├čsoldaten zum vereinbarten Treffpunkt. Dort angelangt, sammelten sich die Truppen entsprechend ihrer Funktion im Gefecht. Die Ritter und ihre Knappen marschierten gemeinsam, genau wie es die Bogensch├╝tzen und Fu├čsoldaten taten.

Spezialeinheiten, wie zum Beispiel Belagerungsingenieure und die f├╝r die Belagerungsartillerie verantwortlichen Soldaten, setzten sich ├╝blicherweise aus Berufssoldaten zusammen, die speziell f├╝r einen Feldzug angeheuert wurden. Als die T├╝rken Istanbul eroberten, bedienten beispielsweise christliche S├Âldner die in diesem Feldzug eingesetzte Artillerie.

Im sp├Ąten Mittelalter war der Beruf des S├Âldners sehr angesehen. So genannte Werbeherren stellten S├Âldnerheere zusammen, die es den wohlhabenden Gutsherren oder den jeweiligen St├Ądten erm├Âglichten, eine schlagkr├Ąftige Streitmacht aufzustellen. Es gab S├Âldnerheere, in denen alle S├Âldner mit derselben Waffe k├Ąmpften. In der Schlacht von Cr├ęcy im Jahre 1346, zum Beispiel, dienten 2.000 genuesische Armbrustsch├╝tzen in der franz├Âsischen Armee. Andere S├Âldnerheere setzten sich aus Kr├Ąften aller Waffengattungen zusammen. Die Gr├Â├če dieser Heere wurde oft nach der Anzahl der vorhandenen Lanzen gerechnet. Eine Lanze bestand aus einem Ritter und zus├Ątzlichen berittenen Truppen, Fu├čtruppen und Fernwaffeneinheiten und bildete die kleinste Einheit innerhalb des Heeres. Ein Heer mit 100 Lanzen umfasste somit einige hundert K├Ąmpfer.

Die Befehlsstruktur innerhalb des Feudalheeres war flach. Da es die Man├Âvrierkunst im heutigen Sinne damals noch nicht gab, war ein gro├čer Stab, der den Heerf├╝hrer unterst├╝tzte und seine Befehle weiterleitete, so gut wie nie notwendig.

Im Jahre 1439 f├╝hrte Karl VII. von Frankreich die K├Âniglichen Ordonanzkompanien ein. Diese Kompanien bestanden entweder aus Rittern oder Infanteristen und wurden durch Steuereinnahmen finanziert. Jede Kompanie verf├╝gte ├╝ber eine feste Sollst├Ąrke; die R├╝stungen und Waffen wurden vom K├Ânig festgelegt und waren nicht mehr pers├Ânlichen Vorlieben ├╝berlassen. Dies war der Anfang moderner, stehender Armeen in der westlichen Welt.

Versorgung

Versorgung mit Nahrungsmitteln und medizinische Versorgung wurden nur selten eingeplant. Im Mittelalter lebten die Heere von dem, was sie w├Ąhrend einer Belagerung oder eines Marsches durch ein Gebiet erlegten oder ernteten. Die Bewohner des jeweiligen Gebietes waren durch die Heere oft gro├čen Strapazen ausgesetzt. Dabei machte es f├╝r sie kaum einen Unterschied, ob ihre Felder von einem feindlichen oder einem freundlich gesinnten Heer gepl├╝ndert wurden. Die mittelalterlichen Armeen verweilten nicht lange in einem Gebiet, da die ├Ârtliche Versorgung mit Nahrungsmitteln und Futter schnell ersch├Âpft war. Dieses besondere Problem stellte sich w├Ąhrend aller Belagerungen. Traf ein belagerndes Heer keine Vorkehrungen f├╝r die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Futter f├╝r den Zeitraum der Belagerung, konnten unter Umst├Ąnden die Vorr├Ąte zu Neige gehen. Das Heer war dann gezwungen, die Belagerung aufzuheben, die bei l├Ąngerem Durchhalten eventuell zum Erfolg gef├╝hrt h├Ątte.

Die hygienische Versorgung stellte ein weiteres Problem dar, wenn eine Armee l├Ąngere Zeit an einem Ort verweilte. Ein mittelalterliches Heer f├╝hrte zus├Ątzlich zu den Pferden der Ritter viele Tiere mit sich. Durch die mangelnde Abwasserentsorgung brachen h├Ąufig Krankheiten wie zum Beispiel die Ruhr aus und dezimierten das Heer betr├Ąchtlich. W├Ąhrend seines Frankreichfeldzuges verlor Heinrich V. von England in der Schlacht von Harfleur sch├Ątzungsweise 15 Prozent seiner Armee durch Krankheiten. Beim Marsch auf Azincourt waren es sogar mehr. In der eigentlichen Schlacht hingegen fielen lediglich 5 Prozent der M├Ąnner. Heinrich V. selbst erlag w├Ąhrend einer anderen Belagerung einer durch mangelnde Hygiene ausgel├Âsten Infektion.

Aufstellung zur Schlacht

In den meisten Schlachten stellten die K├Ąmpfer auf beiden Seiten sich selbst auf, um dann bei Schlachtbeginn auf den Gegner loszust├╝rmen und zu k├Ąmpfen. Feldz├╝ge oder Truppen├╝bungen und Gefechte fanden selten statt.

Vor der Schlacht unterteilten die Befehlshaber ihre Kr├Ąfte in einzelne Truppen, z.B. Fu├čsoldaten, Bogensch├╝tzen und Kavallerie, die jeweils spezifische Aufgaben hatten. Diese Gruppen wurden weiter unterteilt und erhielten wiederum eigene Aufgaben oder dienten als Reserve. So konnte ein Befehlshaber zum Beispiel mehrere "Schlachtlinien" oder "Divisionen" von Rittern bilden. Je nach Bedarf konnten diese einzeln ins Feld geschickt oder als Reserve zur├╝ckgehalten werden. Bogensch├╝tzen wurden, unterst├╝tzt von Infanteriebl├Âcken, in der Regel an der Spitze eingesetzt. War das Heer einmal aufgestellt, musste nur noch entschieden werden, wann die vorab aufgestellten Truppen in die Schlacht geschickt werden sollten. Hatte die Schlacht einmal begonnen, bestand f├╝r R├╝ckz├╝ge, Neuformierungen oder Umgestaltungen kaum noch eine M├Âglichkeit. Eine Ritterstreitmacht, zum Beispiel, konnte nur selten mehr als einmal eingesetzt werden. Waren die Ritter ins Gefecht geschickt, wurden entweder Verst├Ąrkungstruppen nachgeschickt, oder die Truppen wurden abgezogen. Ein Angriff mit schwerer Kavallerie hatte entweder zur Folge, dass die Truppen versprengt wurden, oder es ging ein so gro├čer Teil an Ausr├╝stung und Pferden verloren, dass die Streitkraft im Wesentlichen verbraucht war. In der Schlacht von Hastings wurden die normannischen Ritter f├╝r weitere Angriffe neu aufgestellt, konnten aber nicht mit ganzer Kraft angreifen, da es ihnen nicht gelang, den s├Ąchsischen Schildwall zu durchbrechen.

Taktisch erfahrene Befehlshaber wussten die Landschaft zu ihrem Vorteil zu nutzen und setzten Sp├Ąher ein, um die St├Ąrken und Schw├Ąchen des Feindes einzusch├Ątzen.

L├Âsegeld

Als abschlie├čenden Lohn f├╝r eine siegreiche Schlacht erhielten die Soldaten, neben Anerkennung und Ehre, Lehen. Der unmittelbare Lohn bestand in der Beute, die den gefallenen Gegnern geraubt wurden, der Pl├╝nderung besiegter und eingenommener St├Ądte und Schl├Âsser, dem Verkauf von R├╝stungen und Waffen der Gefallenen und dem L├Âsegeld f├╝r Gefangene von hohem Rang. Von Rittern wurde erwartet, dass sie L├Âsegeld zahlten, um ihr Leben zu retten. Eine der h├Âchsten geschichtlich belegten L├Âsegeldsummen entspricht einem Gegenwert von mehr als 38 Millionen Mark. Diese L├Âsegeldsumme wurde von einem deutschen Prinzen f├╝r die Freilassung Richards I. von England gezahlt, nachdem dieser bei seiner R├╝ckkehr von den Kreuzz├╝gen gefangen genommen wurde.

Bei Azincourt hielten die Engl├Ąnder eine gro├če Gruppe franz├Âsischer Ritter in der Nachhut der Truppe zur├╝ck, um L├Âsegeld f├╝r sie einzufordern. W├Ąhrend der Schlacht griff ein franz├Âsisches Truppenkontingent die Nachhut an und versetzte Heinrich V. kurzzeitig in Panik. Um die Freilassung der gefangenen franz├Âsischen Ritter zu verhindern, befahl er deren Hinrichtung und verzichtete somit auf ein Verm├Âgen an L├Âsegeldern.

Die Gefangennahme von Rittern wurde von Herolden festgehalten, die Buch dar├╝ber f├╝hrten, welche Soldaten verantwortlich waren und somit das L├Âsegeld schuldeten. Dann benachrichtigten die Herolde die Familie des Gefangenen, arrangierten die L├Âsegeldzahlung und sorgten f├╝r die Freilassung des Gefangenen.

Die damalige Verbreitung von L├Âsegeldern mag bemerkenswert zivilisiert erscheinen, dabei verschleiert sie jedoch nur eine dunklere Geschichte. Gefangene von niedrigem Rang besa├čen keinen Wert und wurden umgehend get├Âtet, um das Problem ihrer Unterbringung und Verpflegung zu umgehen.

Strategie

Die milit├Ąrische Strategie des Mittelalters zielte darauf ab, die wirtschaftliche Basis f├╝r Reichtum zu schaffen, um in der Lage zu sein, Heere ins Feld zu schicken. Dies bedeutete zun├Ąchst, Land zu verw├╝sten oder zu verteidigen, denn Felder und Weideland bildeten die Basis f├╝r jeglichen Wohlstand. Mit der Zeit verlor die Landwirtschaft an Bedeutung, die St├Ądte wurden durch das Aufbl├╝hen von Handel und Industrie immer wohlhabender und zunehmend wichtiger.

Burgen zu sichern oder einzunehmen war ein Schl├╝sselelement des Krieges, denn Burgen dienten zur Verteidigung des Ackerlandes. Die Krieger, die eine Burg besetzt hielten, kontrollierten auch das umgebende Land. Als die St├Ądte wuchsen, wurden auch sie befestigt. Nach und nach wurden die Verteidigung oder Eroberung von St├Ądten wichtiger als der Kampf um Burgen.

Heere f├╝hrten Feldz├╝ge durch, um strategisch wichtige, befestigte Punkte einzunehmen und das Land zu verw├╝sten oder um den Feind davon abzuhalten, einen eben solchen Feldzug durchzuf├╝hren. Drang der Feind ins Land ein, wurde direkt zum Gegenangriff gestartet, um zu verhindern, dass das Land verw├╝stet wurde. In der Schlacht von Hastings im Jahre 1066, zum Beispiel, versuchten die Angelsachsen, das Eindringen der Normannen zu verhindern. Die Angelsachsen verloren die Schlacht, und die Normannen f├╝hrten unter der Flagge von Wilhelm dem Eroberer in den folgenden Jahren einen Eroberungsfeldzug durch, um das Land ihrer Macht zu unterwerfen. Auf dem Lechfeld k├Ąmpften im Jahre 955 die Deutschen gegen die ungarischen Angreifer (Magyaren) aus dem Osten. Der entscheidende Sieg der Deutschen unter Otto I. setzte weiteren Angriffen der Magyaren ein Ende. Der Sieg Karl Martells ├╝ber die Mauren im Jahre 732 beendete die Angriffe der Moslems und dr├Ąngte sie zur├╝ck nach Spanien.

Die Schlachten von Cr├ęcy, Poitiers und Azincourt, die alle w├Ąhrend des Hundertj├Ąhrigen Krieges zwischen Engl├Ąndern und Franzosen stattfanden, dienten allesamt dem Zweck, das Eindringen der Engl├Ąnder zu verhindern. Die Franzosen verloren alle drei Schlachten, und die Engl├Ąnder setzten ihre ├ťbergriffe fort. Trotz ihrer zahlreichen ├ťberf├Ąlle gelang es den Engl├Ąndern nicht, das Land dauerhaft in ihre Gewalt zu bringen, und die Franzosen gewannen letztendlich den Krieg.

Das Hauptziel der Kreuzz├╝ge bestand darin, strategisch wichtige Punkte im Heiligen Land einzunehmen und zu halten, um von dort aus das gesamte Land unter Kontrolle zu bringen. Die einzelnen Schlachten sollten die jeweilige Vormachtstellung der einen oder anderen Seite brechen. So erm├Âglichte der Sieg der Sarazenen unter Saladin in der Schlacht bei Hattim im Jahre 1187 die R├╝ckeroberung Jerusalems.

Kampftaktiken

Mit Fortschreiten des Mittelalters entwickelten sich die Schlachten von Zusammenst├Â├čen schlecht organisierter Kriegerscharen zu Gefechten, in denen Taktik und Man├Âvrierkunst eingesetzt wurden. Dies war zum Teil auf die Differenzierung im Heerwesen und die Weiterentwicklung bei den Waffengattungen sowie deren taktischer und strategischer Verwendung zur├╝ckzuf├╝hren. Die ersten Heere der Dunklen Zeit setzten sich aus Horden von Fu├čsoldaten zusammen. Mit dem Aufkommen schwerer Kavallerie ├Ąnderte sich dies, und die besten Heere bestanden aus Ritterscharen. Fu├čsoldaten wurden mitgef├╝hrt, um feindliches Gebiet zu verw├╝sten und die schwere Arbeit w├Ąhrend einer Belagerung zu leisten. W├Ąhrend der Schlacht drohte den Fu├čsoldaten von beiden Seiten Gefahr, da die Ritter versuchten, ihre Gegner in einen Nahkampf zu verwickeln. Dies galt besonders zu Anfang dieses Zeitalters, denn die Fu├čsoldaten waren unausgebildete Bauern, die ihrem Feudalherren gegen├╝ber verpflichtet waren, Kriegsdienst zu leisten. Bogensch├╝tzen erwiesen sich f├╝r die Belagerung ebenfalls als n├╝tzlich, liefen jedoch Gefahr, auf dem Schlachtfeld ├╝berrannt zu werden.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gelang es den Befehlshabern immer mehr, ihre Ritter zu disziplinieren, so dass ihre Heere sich als gemeinsam k├Ąmpfende Einheit verstanden. Im englischen Heer zollten die Ritter den Langbogensch├╝tzen nur widerwillig Respekt, nachdem die Bogensch├╝tzen ihren Wert auf vielen Schlachtfeldern bewiesen hatten. Die Disziplin besserte sich weiter, als mehr und mehr Ritter gegen Bezahlung und weniger f├╝r Ruhm und Ehre k├Ąmpften. In Italien wurden die S├Âldner bekannt f├╝r lange Feldz├╝ge, bei denen nicht viel Blut vergossen wurde. Zu dieser Zeit stellten Soldaten aller R├Ąnge Verm├Âgenswerte dar, die nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt wurden. Die nach Ruhm strebenden Feudalheere entwickelten sich zu Berufsheeren, die vor allem daran interessiert waren, die Schlacht zu ├╝berleben, um ihren Sold ausgeben zu k├Ânnen.

Kavallerietaktiken

Die Kavallerie war ├╝blicherweise in drei Gruppen, oder Divisionen, unterteilt, die nacheinander in die Schlacht geschickt wurden. Die erste Angriffswelle w├╝rde entweder durchbrechen oder den Gegner versprengen und somit den Weg f├╝r die zweite oder dritte Angriffswelle bereiten. Ergriff der Gegner einmal die Flucht, begann das Metzeln und Morden.

In der Praxis folgten die Ritter eher ihren pers├Ânlichen Pl├Ąnen als denen des Befehlshabers. F├╝r die Ritter standen Ruhm und Ehre im Vordergrund, und deshalb versuchten sie, sich in eine gute Position in der ersten Reihe der vordersten Division zu dr├Ąngen. Der Gesamtsieg auf dem Schlachtfeld stand hinter der pers├Ânlichen Ehre. Sobald der Feind in Sichtweite war, st├╝rmten die Ritter voran und machten somit jeden strategischen Plan zunichte.

Gelegentlich lie├čen die Befehlshaber ihre Ritter absitzen, um sie besser unter Kontrolle zu haben. Dies war gerade bei kleineren Heeren, die sich in einem Wettstreit von Angriffen nur wenig Hoffnung machen konnten, eine M├Âglichkeit, die Chancen zu verbessern. Abgesessene Ritter unterst├╝tzten die Streitkraft und machten den einfachen Fu├čtruppen Mut. Die Ritter und anderen Fu├čsoldaten verschanzten sich auf dem Schlachtfeld hinter Pf├Ąhlen oder anderen Konstruktionen, die entworfen wurden, um den Angriffen der Kavallerie die Wucht zu nehmen.

Die Schlacht von Cr├ęcy im Jahre 1346 ist ein Beispiel f├╝r undiszipliniertes Verhalten der Ritter. Das franz├Âsische Heer verf├╝gte ├╝ber wesentlich mehr Ritter und war dem englischen Herr damit zahlenm├Ą├čig weit ├╝berlegen (40.000 zu 10.000). Die Engl├Ąnder teilten sich in drei Gruppen mit Langbogensch├╝tzen, die von in den Boden gerammten Pf├Ąhlen gesch├╝tzt wurden. Zwischen diesen drei Gruppen befanden sich zwei Gruppen abgesessener Ritter. Eine dritte Gruppe unberittener Ritter diente als Reserve. Der franz├Âsische K├Ânig sandte mit Armbr├╝sten bewaffnete genuesische Armbr├╝sten, die das unberittene englische Heer angreifen sollten, w├Ąhrend er versuchte, seine Ritter in drei Divisionen zu organisieren. Die Armbr├╝ste waren jedoch feucht geworden und damit unbrauchbar. Sobald die franz├Âsischen Ritter den Feind erblickten, ignorierten sie die Versuche ihres K├Ânigs, eine Schlachtordnung herzustellen und steigerten sich in eine Raserei, indem sie sich mit wilden Schlachtrufen anfeuerten. Mit den Genuesen ungeduldig geworden, befahl der franz├Âsische K├Ânig seinen Rittern anzugreifen. Diese st├╝rmten los und trampelten dabei die im Weg stehenden Bogensch├╝tzen nieder. Obwohl der Kampf den ganzen Tag andauerte, besiegten die unberittenen englischen Ritter und Langbogensch├╝tzen, die ihre Bogensehnen trocken gehalten hatten, die Franzosen, die wie ein undisziplinierter Haufen k├Ąmpften.

Gegen Ende des Mittelalters hatte sich die Zahl schwerer Kavallerie auf dem Schlachtfeld auf etwa die gleiche Menge wie die Fernwaffen- und Fu├čtruppen reduziert. Inzwischen war die Sinnlosigkeit eines Angriffs mit gut formierter und disziplinierter Infanterie immer deutlicher geworden. Die Schlachtordnung hatte sich ge├Ąndert. Pf├Ąhle, Pferdewagen und Sch├╝tzengr├Ąben wurden routinem├Ą├čig eingesetzt, um die Heere gegen Angriffe der Kavallerie zu sch├╝tzen. Bei Angriffen gegen massierte Reihen von Pikenieren und Bogensch├╝tzen bzw. Artilleristen blieb nur ein H├Ąufchen gebrochener M├Ąnner und Pferde ├╝brig. Die Ritter waren gezwungen, zu Fu├č zu k├Ąmpfen oder auf eine geeignete Gelegenheit zum Angriff zu warten. Verheerende Angriffe waren immer noch m├Âglich, aber nur, wenn der Feind sich auf dem R├╝ckzug befand, nicht organisiert war oder sich hinter seinem Schutz auf dem Schlachtfeld hervorgewagt hatte.

Taktiken der Fernwaffeneinheiten

Zur damaligen Zeit bestanden Fernwaffeneinheiten haupts├Ąchlich aus Bogensch├╝tzen, die einen von mehreren unterschiedlichen Bogentypen benutzten. Zun├Ąchst war dies der Kurzbogen, sp├Ąter wurden die Armbrust und der Langbogen entwickelt. Bogensch├╝tzen hatten den Vorteil, dass sie den Feind ├╝ber eine gewisse Entfernung hinweg verwunden konnten, ohne in Nahk├Ąmpfe verwickelt zu werden. Der Wert dieser Truppen war im Altertum wohl bekannt, in der Dunklen Zeit ging diese Erkenntnis jedoch zeitweilig verloren. Die Ritter waren im Mittelalter vorherrschend, und ihr Ehrenkodex verlangte einen Kampf Mann gegen Mann mit einem ebenb├╝rtigen Feind. Diesen aus der Entfernung mit einem Pfeil zu t├Âten war f├╝r die Ritter unehrenhaft, so dass wenig Anstrengungen unternommen wurden, um diese Waffe weiterzuentwickeln und effektiv einzusetzen.

Es wurde jedoch immer deutlicher, dass Bogensch├╝tzen sowohl bei Belagerungen als auch in der Schlacht effektiv und ausgesprochen n├╝tzlich waren. Wenn auch widerwillig, schafften immer mehr Heere Platz f├╝r sie. Der entscheidende Sieg Wilhelms I. in der Schlacht bei Hastings im Jahre 1066 wurde m├Âglicherweise durch Bogensch├╝tzen errungen, obwohl seinen Rittern traditionell die meiste Anerkennung zuteil wird. Die Angelsachsen hielten eine Anh├Âhe besetzt und bildeten mit ihren Schilden eine geschlossene Front, so dass die Normannen gro├če Schwierigkeiten hatten, durchzubrechen. Einen ganzen Tag lang wogten die K├Ąmpfe vor und zur├╝ck. Als die Angelsachsen sich hinter ihrem Schildwall hervorwagten, um die normannischen Bogensch├╝tzen anzugreifen, war es ein Leichtes, sie zu ├╝berrennen. Eine Zeit lang schien es, als m├╝ssten die Normannen scheitern, viele glauben jedoch, dass die normannischen Bogensch├╝tzen die Schlacht gewannen. Ein Zufallstreffer verwundete Harold, den K├Ânig der Angelsachsen, t├Âdlich, und die Schlacht endete kurze Zeit sp├Ąter.

Die unberittenen Bogensch├╝tzen k├Ąmpften in massierten Formationen von mehreren hundert oder tausend M├Ąnnern. Aus einer Entfernung von ungef├Ąhr 90 Metern abgefeuert, konnten sowohl die Pfeile der Armbrust als auch die des Langbogens die R├╝stung des Feindes durchdringen. Auf diese Entfernung konnten Bogensch├╝tzen individuelle Ziele ins Visier nehmen. F├╝r den Feind waren diese Sch├Ąden verheerend, besonders wenn er dem nichts entgegenzusetzen hatte. Im Idealfall zerst├Ârten die Bogensch├╝tzen die feindliche Aufstellung, indem sie sie f├╝r einige Zeit unter Beschuss nahmen. Der Feind war zwar einigerma├čen sicher, wenn er sich hinter Pf├Ąhlen verschanzte, er konnte jedoch nicht all die eindringenden Pfeile und Bolzen abwehren. Verlie├č der Feind seinen Schutz, um die Bogensch├╝tzen anzugreifen, traf er auf die gegnerische Kavallerie, die hoffentlich noch rechtzeitig kam, um die Bogensch├╝tzen zu retten. Wichen die feindlichen Reihen jedoch nicht von der Stelle, so gerieten sie vielleicht letztendlich doch ins Wanken, so dass die Kavallerie erfolgreich angreifen konnte.

In England wurden Bogensch├╝tzen besonders gef├Ârdert und unterst├╝tzt, da die Engl├Ąnder in allen Kriegen auf dem Festland zahlenm├Ą├čig unterlegen waren. Als die Engl├Ąnder gelernt hatten, gro├če Kontingente an Bogensch├╝tzen sinnvoll einzusetzen, begannen sie, in Schlachten siegreich zu sein, selbst wenn sie gew├Âhnlich zahlenm├Ą├čig unterlegen waren. Den Vorteil der Reichweite des Langbogens nutzend, entwickelten die Engl├Ąnder den Pfeilhagel. Anstatt auf individuelle Ziele zu schie├čen, schossen die Langbogensch├╝tzen in das vom Feind besetzte Gebiet. Die Langbogensch├╝tzen konnten bis zu 6 Sch├╝sse pro Minute abgeben. 3.000 Langbogensch├╝tzen konnten also 18.000 Pfeile in eine massierte Aufstellung des Feindes schie├čen. Die Auswirkung des Pfeilhagels auf M├Ąnner und Pferde war verheerend. Franz├Âsische Ritter, die im Hundertj├Ąhrigen Krieg gek├Ąmpft hatten, berichteten von dem Ger├Ąusch, das diese Geschosse in der Luft verursachten, und dar├╝ber, dass der Himmel vor lauter Pfeilen schwarz gewesen sei.

Auf dem Festland nahmen Armbrustsch├╝tzen vor allem in der B├╝rgerwehr und in den Berufsheeren, die von den St├Ądten aufgestellt wurden, eine wichtige Rolle ein. Mit einer minimalen Ausbildung wurde aus einem Armbrustsch├╝tzen ein kampfstarker Soldat.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts erschienen die ersten primitiven Handfeuerwaffen auf dem Schlachtfeld. Als diese funktionierten, waren sie weitaus wirkungsvoller als B├Âgen.

Bei dem Einsatz von Bogensch├╝tzen bestand die Schwierigkeit darin, diese zu sch├╝tzen, w├Ąhrend sie schossen. Um wirkungsvoll zu sein, mussten die Sch├╝tzen so nahe wie m├Âglich an den Feind herankommen. Die englischen Bogensch├╝tzen trugen Pf├Ąhle auf das Schlachtfeld, die sie mit Hilfe von Holzh├Ąmmern vor der Stelle, von der aus sie schie├čen wollten, in die Erde rammten. Diese Pf├Ąhle gew├Ąhrten ihnen einen gewissen Schutz vor der feindlichen Kavallerie. Die englischen Bogensch├╝tzen verlie├čen sich auf ihre Feuerkraft, um die feindlichen Bogensch├╝tzen abzuwehren. Griff der Feind jedoch mit Fu├čsoldaten an, befanden sie sich eindeutig im Nachteil. Armbrustsch├╝tzen trugen einen gro├čen Schild, die so genannte Pavese, in die Schlacht. Dieser Schild war mit St├╝tzen versehen. Sie wurden nebeneinander aufgestellt und bildeten eine Art Wall, hinter dem die M├Ąnner sich verschanzen konnten.

Gegen Ende dieser Epoche wurden Armbrustsch├╝tzen und Pikeniere gemeinsam in kombinierten Formationen aufgestellt. Die Piken hielten die feindlichen Nahkampftruppen fern, w├Ąhrend die Fernwaffeneinheiten (Armbrustsch├╝tzen oder Handfeuerwaffen) auf die feindlichen Reihen feuerten. Diese gemischten Formationen lernten, sich fortzubewegen und anzugreifen. Angesichts einer disziplinierten Truppe von Pikenieren, Armbrustsch├╝tzen und Leichten Kanonieren musste sich die feindliche Kavallerie zur├╝ckziehen. Konnte der Feind dieser Truppe keine eigenen Waffen und Piken entgegensetzen, war die Schlacht so gut wie verloren.

Infanterietaktiken

In der Dunklen Zeit bestand die Taktik der Fu├čsoldaten einfach darin, zum Nahkampf ├╝berzugehen und aufeinander los zu schlagen. Um den Feind aufzuhalten, schleuderten die Franken ihre ├äxte, kurz bevor sie zum Nahkampf ├╝bergingen. F├╝r den Sieg verlie├čen sich die Krieger auf ihre St├Ąrke und ihren Grimm.

Das Aufkommen von Rittern lie├č die Infanterie kurzzeitig von den Schlachtfeldern verschwinden, was zum gr├Â├čten Teil darin begr├╝ndet war, dass es einfach keine disziplinierte und gut ausgebildete Infanterie gab. Bei den Fu├čsoldaten der fr├╝hmittelalterlichen Heere handelte es sich in erster Linie um Bauern, die nur sp├Ąrlich mit Waffen ausger├╝stet waren und keinerlei Ausbildung erfahren hatten.

Die Sachsen und Wikinger entwickelten eine besondere Verteidigungsformation, den so genannten Schildwall, bei dem die M├Ąnner nebeneinander standen und ihre langen Schilde so zusammen hielten, dass sie eine Barriere bildeten. So konnten sie sich gegen Bogensch├╝tzen und Kavallerie sch├╝tzen, ├╝ber die ihre eigenen Heere nicht verf├╝gten.

In den Gebieten, die nicht ├╝ber die n├Âtigen Mittel verf├╝gten, um schwere Kavallerie ins Feld zu schicken - wie zum Beispiel in gebirgigen Gegenden wie Schottland und die Schweiz - ebenso wie in den aufstrebenden St├Ądten, lebte die Infanterie wieder auf. Gezwungenerma├čen wurden in diesen Gebieten Mittel und Wege gefunden, um schlagkr├Ąftige Heere, die ├╝ber nur sehr wenig oder gar keine Kavallerie verf├╝gten, ins Feld zu schicken. Es stellte sich heraus, dass Pferde Angriffe auf Barrieren aus angespitzten Pf├Ąhlen oder Speerspitzen verweigerten. Eine disziplinierte Truppe von Speerk├Ąmpfern war in der Lage, die schwere Elitekavallerie der reicheren Nationen oder Feudalherren aufzuhalten und kostete nur einen Bruchteil dessen, was f├╝r eine schwere Kavallerie aufgebracht werden musste.

F├╝r die Teilheere, die so genannten Schiltrons, die die Schotten in ihren Unabh├Ąngigkeitskriegen gegen Ende des 13. Jahrhunderts einzusetzen begannen, wurde ein Kreis aus Speertr├Ągern gebildet (wie in dem Film Braveheart zu sehen war). Die Schotten hatten herausgefunden, dass die Schiltrons eine effektive Verteidigungsformation waren. Robert Bruce bot den englischen Rittern nur in sumpfigem Gebiet die Gelegenheit zum Kampf, wodurch die schwere Kavallerie erheblich behindert wurde.

Die Schweizer wurden durch ihre K├Ąmpfe mit der Pike ber├╝hmt. Sie lie├čen die griechische Phalanx im Wesentlichen wieder aufleben und erwarben gro├če T├╝chtigkeit im Kampf mit der Langstielaxt. Die Pikeniere stellten sich im Quadrat auf. Die vier ├Ąu├čeren Reihen hielten ihren Piken fast aufgerichtet und nur leicht gesenkt. Somit bildeten sie eine effektive Barriere gegen die Kavallerie. Die hinteren Reihen setzten Stangenwaffen ein, um den Gegner zu attackieren, sobald dieser zum Nahkampf ├╝berging. Die Schweizer ├╝bten ihre Kampftechniken ein, so dass sie sich in der Formation relativ schnell fortbewegen konnten. Sie verwandelten eine Verteidigungsformation in eine schlagkr├Ąftige Angriffsformation.

Den massierten Pikenieren wurde Artillerie entgegengesetzt, die die Reihen der dichten Formation durchpfl├╝gte. Diese Technik wurde erstmals erfolgreich von den Spaniern eingesetzt. Die Spanier bek├Ąmpften die Pikeniere auch erfolgreich mit Schwertk├Ąmpfern, die runde Schilder trugen. Diese waren leicht bewaffnete M├Ąnner, die zwischen den Piken hindurchschl├╝pfen konnten und mit ihren Kurzschwertern angriffen. Ihr Rundschild war ein kleiner, leicht zu handhabender Schild. Gegen Ende des Mittelalters versuchten die Spanier als Erste eine Kombination aus Pikenieren, Schwertk├Ąmpfern und Leichten Kanonieren in derselben Formation einzusetzen. So wurde eine Streitmacht gebildet, die es mit allen Waffen auf unterschiedlichem Gel├Ąnde sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung aufnehmen konnte. Am Ende dieser Epoche waren die Spanier die erfolgreichste Streitmacht in Europa.

Die Seefahrerei

Nachdem die R├Âmer die ans Mittelmeer angrenzenden L├Ąnder vollst├Ąndig unterworfen hatten, ging der Bedarf an Kriegsschiffen dort stark zur├╝ck. Kein anderes Reich verf├╝gte ├╝ber eine Seeflotte, die sich mit den R├Âmern h├Ątte messen k├Ânnen, und die Piraten waren aus den Gew├Ąssern fast vertrieben. Nach dem Niedergang des westr├Âmischen Reiches entsprangen seinen Ruinen neue Kulturen, und die Piraterie lebte wieder auf. Kriegsschiffe wurden wieder ben├Âtigt, um sich gegen Eindringlinge zu verteidigen, die milit├Ąrische Macht auszubauen und wichtige Handelsrouten zu sch├╝tzen.

Die byzantinischen Schiffe

Im fr├╝hen Mittelalter waren die Byzantiner die gro├če Seemacht des Mittelmeeres. Eine schlagkr├Ąftige Flotte war ausschlaggebend f├╝r ihr ├ťberleben und die Ausdehnung ihres Reiches. Konstantinopel verf├╝gte ├╝ber eine ausgezeichnete Landverteidigung, die einen direkten Angriff von der Landseite kaum zugelassen h├Ątte. Die Stadt musste jedoch die Seeseite f├╝r die Versorgung offen halten, um eine eventuelle Belagerung zu vereiteln. Solange von den Schiffen Nachschub geliefert werden konnte, war das ├ťberleben der Stadt gesichert.

Das bedeutendste Kriegsschiff der Byzantiner war im fr├╝hen Mittelalter die Dromone, die sich, wie die Trireme, aus den antiken Ruderkriegsschiffen entwickelt hatte. Eine typische Dromone war lang und schmal, um eine m├Âglichst hohe Geschwindigkeit zu erzielen. Sie wurde mit Hilfe von 50 bis 200 Ruderern und dreieckigen Lateinsegeln fortbewegt. Jeweils in der Mitte der vorderen und der hinteren H├Ąlfte des Schiffes war ein Mast angebracht. Der Bug der Dromone war mit einem Schiffsschnabel ausger├╝stet, der sich in die Schiffe der Feinde bohrte, bevor diese geentert wurden. Rammb├Âcke wurden eher selten eingesetzt. In der Mitte sowie an Bug und Heck wurden Kampfplattformen errichtet, von denen aus mit B├Âgen oder Katapulten auf die feindlichen Schiffe und deren Mannschaften gefeuert werden konnte. In einer typischen Seeschlacht wurde versucht, das gegnerische Schiff zu rammen oder man├Âvrierunf├Ąhig zu machen, um es dann mit Enterhaken an das eigene Schiff heranzuziehen und zu entern.

Die Byzantiner setzten eine wirkungsvolle Geheimwaffe ein, das so genannte "Griechische Feuer", eine Art Flammenwerfer. Es handelte sich dabei um eine Mischung von Chemikalien, die sich bei Luftkontakt entz├╝ndete. Diese Mischung wurde aus Schl├Ąuchen auf die gegnerischen Schiffe gepumpt oder als Bombe geworfen. Diese Waffe hatte verheerende Auswirkungen auf Holzschiffe und brachte in den Seeschlachten gegen die Araber die Entscheidung zugunsten der Byzantiner. Das Geheimnis des Griechischen Feuers war so bedeutend und so wohlgeh├╝tet, dass es letztendlich verloren ging und die Zusammensetzung heute nicht mehr bekannt ist.

Die Schiffe des Mittelmeeres

Durch Ruderkraft angetriebene Kriegsschiffe, so genannte Galeeren, blieben bis ├╝ber das Ende des Mittelalters hinaus die bedeutendsten Kriegsschiffe im Mittelmeer, da das Meer zumeist von heftigen St├╝rmen verschont blieb. Gleichzeitig entwickelten sich die italienischen Stadtstaaten Genua und Venedig nach und nach zu Seem├Ąchten, was nicht zuletzt durch den zunehmenden Handel mit der Levantek├╝ste bedingt war. Auch die Araber bauten Seeflotten, um Einfluss auf den Handel zu nehmen und um im Kampf gegen Byzantiner und andere christliche V├Âlker um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum zu bestehen. Mit dem Beginn der Kreuzz├╝ge im 11. Jahrhundert kamen Schiffe aus Nordeuropa, die v├Âllig anders konstruiert waren.

Die Westeurop├Ąischen Schiffe

Die germanischen St├Ąmme, die Nordeuropa besetzten, entwickelten um das Jahr 500 mehrere neue Schiffstypen. Das typische Handelsschiff besa├č einen breiten und tiefen Schiffsk├Ârper. Anfangs verf├╝gte es nur ├╝ber einen Mast; mit wachsender Gr├Â├če der Schiffe wurden daraus mehrere. Die Wikinger nannten diesen Schiffstyp "Knarr". Heutzutage ist viel ├╝ber diesen Schiffstyp bekannt, da in den sechziger Jahren ein solches Schiff vom Grund eines d├Ąnischen Hafens geborgen wurde. Ein gro├čer Teil der Handels- und Erkundungsreisen der Angelsachsen und der Wikinger wurde mit diesem Schiffstyp unternommen. Sp├Ąter entwickelte sich daraus die Kogge, das bedeutendste Handelsschiff des sp├Ąten Mittelalters. Dieses tiefgelegene Schiff besa├č hervorragende Segeleigenschaften und bot gleichzeitig viel Frachtraum.

Die Seeschlachten in Nordeuropa waren haupts├Ąchlich eine Ausweitung der an Land ausgetragenen K├Ąmpfe. An Bug und Heck der Kogge wurden T├╝rme errichtet, die als Schutz und als Plattform f├╝r die Bogensch├╝tzen dienten. Sobald die Schiffe sich einander n├Ąherten, feuerten die Mannschaften Pfeile aufeinander ab, mit dem Ziel, die Mannschaft und die Soldaten des Feindes au├čer Gefecht zu setzen. Die Schiffe wurden aneinander man├Âvriert und jeder versuchte, das andere Schiff im Nahkampf einzunehmen. In den Nordmeeren besa├čen die Segelschiffe keine Vorrichtungen, um andere Schiffe zu rammen. Bis die Kanonen im 14. Jahrhundert aufkamen, gab es keine Waffe, mit der einem anderen Schiff schwerer Schaden zugef├╝gt oder es gar versenkt werden konnte. In die f├╝r das sp├Ąte Mittelalter typische Seeschlacht von Sluis im Jahre 1340 waren ungef├Ąhr 400 englische und franz├Âsische Kriegskoggen verwickelt, die gro├če Kontingente an Bogensch├╝tzen und Fu├čsoldaten mit sich f├╝hrten. Die Schiffe wurden einfach mit Haken aneinander gedr├Ąngt, so dass die Bogensch├╝tzen das Feuer er├Âffnen und die Truppen zum Nahkampf ├╝bergehen konnten.

Das Hauptgesch├╝tz wurde am Bug oder am Heck des Schiffes aufgestellt. Kleinere Kanonen, die an der seitlichen Reling aufgestellt wurden, waren auf die feindliche Mannschaft gerichtet. Das englische Schiff "Christopher of the Tower" aus dem Jahre 1406 war das erste Schiff, das eigens daf├╝r gebaut war, mit Gesch├╝tzen ausger├╝stet zu werden. Erst gegen Ende des Mittelalters begannen die Schiffe, ihre Breitseiten mit Kanonen zu best├╝cken, deren Kugeln dann den Schiffsk├Ârper des Feindes durchschlagen konnten.

Das Langboot der Wikinger, auch Drachenboot genannt, diente eher zu Transport- als zu Kampfzwecken. Die Wikinger k├Ąmpften selten von ihren Booten aus. Taten sie es doch, so wurden die Boote ,laut ├ťberlieferungen, aneinandergehakt, um so eine Plattform f├╝r einen Nahkampf zu bilden. Bis im 8. oder 9. Jahrhundert Segel eingesetzt wurden, wurde Drachenboote nur von Ruderern angetrieben. Obwohl die Boote zerbrechlich aussahen und nicht den Anschein machten, als seien sie das geeignete Gef├Ąhrt f├╝r eine Ozeanreise, stellte sich bei modernen Nachbauten heraus, dass sie sehr seet├╝chtig waren. Die zus├Ątzliche Reichweite, die durch die Segel erreicht wurde, erkl├Ąrt zumindest teilweise, warum die Wikinger im 9. Jahrhundert zu ihren Eroberungsfahrten aufbrachen.

Der irische "Curragh" war ein schmales Boot, das haupts├Ąchlich f├╝r den Handel entlang der K├╝ste und f├╝r Reisen verwendet wurde, mit dem aber auch auf dem offenen Meer gesegelt werden konnte. Dieses Boot wurde aus Tierh├Ąuten gebaut, die ├╝ber einen Holzrahmen gespannt wurden. Damit das Gef├Ąhrt wasserdicht war, wurde die Haut mit Pech versiegelt. Diese unglaublich leichten Boote wurden von einem Segel vorw├Ąrts getrieben, konnten jedoch auch mit Rudern bewegt werden. Bei rauem Wetter konnte die Abdeckung aus Tierh├Ąuten geschlossen werden, so dass das Boot abgedichtet war und kaum sinken konnte. Die irischen M├Ânche erkundeten den Nordatlantik in diesen Booten und erreichten so Island lange vor den Wikingern. Unbest├Ątigten Legenden zufolge sollen die M├Ânche in diesen Booten sogar bis nach Amerika vorgedrungen sein.

Durch die Kreuzz├╝ge gelangten die Schiffe aus dem Norden ins Mittelmeer, und es kam zum Kontakt zwischen Seeleuten und Schiffbauern aus dem Norden und aus dem S├╝den. Die S├╝dl├Ąnder begannen, verschiedene Eigenschaften der Kogge, wie den gro├čen Schiffsk├Ârper und das Rahsegel, zu ├╝bernehmen, w├Ąhrend die Nordl├Ąnder den Kompass, das Heckruder und das Lateinsegel kennen lernten.

Die chinesischen Schiffe

Die bedeutendsten Schiffbauer des Mittelalters waren vermutlich die Chinesen. Die bekannte chinesische Dschunke war besser als jedes andere Schiff, das ├╝ber viele Jahrhunderte hinweg im Westen zu finden war. Die Dschunke kombinierte auf hervorragende Weise Frachtraum, Segelschiff und Seet├╝chtigkeit. Im Jahre 1405 baute der chinesische Admiral Cheng Ho eine gro├če Seeflotte mit 25.000 Mann Besatzung auf und erkundete einen gro├čen Teil des S├╝dwestlichen Pazifiks und des Indischen Ozeans. Bei den chinesischen Machthabern fanden diese Meisterleistung und die damit verbundenen Entdeckungen jedoch nur Verachtung, und sie lie├čen die zu jener Zeit gr├Â├čten Schiffe der Welt auf Strand setzen, wo sie verrotteten.

Burgen

Festungen und Schanzwerke dienten schon seit der Steinzeit der Verteidigung. Eigentliche Burgen wurden jedoch erst im 9. Jahrhundert teils als Reaktion auf die ├ťberf├Ąlle der Wikinger, teils als Manifestation der dezentralisierten feudalen Macht erbaut. Vom 9. bis zum 15. Jahrhundert wurden in Europa Tausende von Burgen errichtet. Eine Z├Ąhlung in Frankreich im Jahre 1905 kam allein im eigenen Land auf mehr als 10.000 Burgruinen.

Im Zeitalter des Feudalismus sorgten die ans├Ąssigen Adligen f├╝r Recht und Ordnung und Schutz vor Pl├╝nderern, wie etwa den Wikingern. Der Adel baute Burgen zum Schutz und als sicheren Ausgangspunkt f├╝r milit├Ąrische Handlungen. Die offensichtliche Funktion der Burg als Schutzwerk vertuscht allerdings die Tatsache, dass eine Burg in erster Linie auch ein Angriffsinstrument war. Sie diente als St├╝tzpunkt f├╝r S├Âldner - vornehmlich berittene Truppen - die das Umland ├╝berwachten. In Zeiten, in denen die Zentralgewalt der K├Ânige aus unterschiedlichen Gr├╝nden geschw├Ącht war, sorgte ein Netz von Burgen mit den dazugeh├Ârigen Armeen f├╝r eine relative politische Stabilit├Ąt.

Befestigung einer Burg

Das Grundprinzip der Burgbefestigung bestand darin, einerseits die Angreifer so schnell wie m├Âglich zu entdecken und sie beim Angriff gr├Â├čtm├Âglicher Gefahr auszusetzen, und andererseits die Verteidiger m├Âglichst im Verborgenen zu halten und sie so gut es ging zu sch├╝tzen. Eine gut konstruierte Burg konnte von einer kleinen Truppe wirksam verteidigt werden und ├╝ber einen l├Ąngeren Zeitraum einem Angriff standhalten. Eine starke Befestigung erlaubte es einer mit vielen Vorr├Ąten versorgten Verteidigungstruppe, so lange durchzuhalten, bis die Belagerer von einer nachr├╝ckenden Befreiungsarmee vertrieben wurden. Oder sie waren gezwungen sich zur├╝ckzuziehen, weil ihre Vorr├Ąte nicht ausreichten, sie von Krankheiten heimgesucht wurden oder die Verluste zu gro├č waren.

Hauptturm

Der Hauptturm war eine kleine Festung, die normalerweise innerhalb einer Burganlage stand. Er war ein befestigtes Geb├Ąude, das nicht selten als Wohnst├Ątte des Burgherren diente. Fielen die Au├čenmauern der Burg, so war der Hauptturm letzter Zufluchts- und Verteidigungsort. Bei vielen Burganlagen wurde mit dem Bau des Hauptturms begonnen, der damit die urspr├╝ngliche Befestigung vor Ort darstellte. Mit der Zeit konnte dann die Burg durch Au├čenmauern und T├╝rme erweitert werden, die eine erste Schutzanlage f├╝r den Hauptturm waren.

Burgmauern

Steinmauern waren feuerfest und dienten als Schutz gegen Pfeile und andere Waffen. Der Feind konnte ohne Hilfsmittel, wie Leitern oder Belagerungst├╝rme, nicht ├╝ber die steilen Mauern gelangen. Verteidiger auf den Mauern konnten von oben auf die Angreifer schie├čen oder Geschosse auf sie werfen. Angreifer, die sich offen in der Schusslinie befanden, waren gegen├╝ber den besser gesch├╝tzten und von oben schie├čenden Verteidigern in der deutlich schw├Ącheren Position. Die St├Ąrke einer Burg und der Schutz, den sie vor Angriffen bot, wurden noch dadurch verbessert, dass sie, wann immer es m├Âglich war, auf Felsen oder anderen Erhebungen erbaut wurden. Tore und T├╝ren in den Burgmauern wurden auf ein Minimum beschr├Ąnkt und stark befestigt.

T├╝rme

An den Eckpunkten und bei langen Mauern auch dazwischen dienten T├╝rme als Wachtposten. Es handelte sich um vorspringende Mauert├╝rme, die es den Verteidigern in ihrem Innern erlaubten, seitw├Ąrts entlang der Mauer zu schie├čen. Von den Eckt├╝rmen war dies in zwei Richtungen m├Âglich. Ein Tor konnte von einem Turm an jeder Seite bewacht werden. Einige Burgen bestanden zu Beginn nur aus einfachen T├╝rmen. Sie wurden sp├Ąter mit gro├čen Maueranlagen, einem innen liegenden Hauptturm und weiteren T├╝rmen ausgebaut.

Zinnen

Mauern und T├╝rme wurden h├Ąufig weiterentwickelt, um den Schutz der Burgbesatzung zu erh├Âhen. Plattformen hinter der Mauerkrone erm├Âglichten es den Verteidigern, zu stehen und zu k├Ąmpfen. In die Mauerkrone wurden Nischen eingebaut, damit die Verteidiger schie├čen und k├Ąmpfen konnten und dabei gleichzeitig zumindest teilweise gesch├╝tzt waren. Diese Nischen konnten mit Holzklappen versehen sein, die zus├Ątzlichen Schutz boten. Schmale Schie├čscharten konnten in den oberen Mauerabschnitten plaziert werden. Durch diese konnten die Sch├╝tzen schie├čen, w├Ąhrend ihr K├Ârper fast vollst├Ąndig gesch├╝tzt war.

W├Ąhrend eines Angriffs wurden abgedeckte, vorspringende Plattformen aus Holz von der Mauerkrone oder den T├╝rmen herabgelassen. Durch sie konnten die Verteidiger direkt auf die Feinde unterhalb der Mauern schie├čen, Steine werfen oder kochend hei├če Fl├╝ssigkeiten auf sie gie├čen, w├Ąhrend sie selber gesch├╝tzt waren. Felle auf den D├Ąchern des Wehrgangs wurden nass gehalten, damit sie kein Feuer fingen. Konstruktionen aus Stein (Br├╝stungen) konnten ├╝ber Toren oder anderen Schl├╝sselpositionen gebaut werden.

Burggr├Ąben, Wassergr├Ąben und Zugbr├╝cken

Um den H├Âhenvorteil der Mauern zu verst├Ąrken, konnte ein Graben an ihrem Fu├č entlang rund um die Burg ausgehoben werden. Wenn es m├Âglich war, wurde der Graben mit Wasser gef├╝llt, so dass ein Wassergraben entstehen konnte. Sowohl einfache Burggr├Ąben als auch Wassergr├Ąben erschwerten direkte Angriffe gegen die Burgmauern. M├Ąnner in R├╝stungen liefen Gefahr zu ertrinken, selbst wenn sie in relativ seichtes Wasser fielen.

Wassergr├Ąben machten es schwierig, die Mauern einer Burg zu untergraben, da die Gefahr bestand, dass der Stollengang beim Bau einst├╝rzte und die M├Ąnner ertranken. In manchen F├Ąllen mussten die Angreifer zun├Ąchst den Wassergraben trockenlegen, bevor sie mit ihrem Angriff beginnen konnten. Anschlie├čend musste der Graben dann an manchen Stellen wieder zugesch├╝ttet werden, damit Belagerungst├╝rme oder Leitern gegen die Mauer gestellt werden konnten.

Zugbr├╝cken ├╝ber einfache Burg- oder Wassergr├Ąben erm├Âglichten es den Burgleuten, die Burg zu verlassen und zur├╝ckzukehren, wann immer dies erforderlich war. In Zeiten der Gefahr wurde die Zugbr├╝cke hochgezogen, so dass der Graben die Burgmauern wieder vollst├Ąndig umgab und diese sch├╝tzte. Die Br├╝cken wurden ├╝ber einen Mechanismus hochgezogen, der sich im Innern der Burg befand und streng bewacht wurde.

Fallgatter

Ein Fallgatter war eine schweres Gitter, das vor einem Burgtor herabgelassen werden konnte, um den Zugang zur Burg zu versperren. Das Tor befand sich innerhalb eines Torhauses, einem der Wachtposten in der Befestigungsanlage. Der Durchgang zur Burg konnte durch eine Art Tunnel im Torhaus f├╝hren und  wurde von einem oder mehreren Fallgattern in der Mitte oder an den beiden Enden abgesperrt. Der Kurbelmechanismus f├╝r das Fallgatter befand sich im oberen Teil des Torhauses und wurde strengstens ├╝berwacht. Das Fallgatter war meist ein Gitter aus massiven Holz- oder Eisenst├Ąben. Verteidiger sowie Angreifer konnten durch das Gatter schie├čen und stechen.

Au├čenwerk

Eine stark befestigte Burg hatte sowohl ein Au├čen- als auch ein Innentor. Zwischen beiden Toren befand sich ein ungesch├╝tzter offener Bereich, der Zwinger. Dieser war von Mauern umgeben und als Falle f├╝r die Angreifer konstruiert, die durch das Au├čentor nach innen gelangt waren. Befanden sich die Angreifer innerhalb der Zwingermauern, so hatten sie nur die Wahl durch das Au├čentor zur├╝ckzukehren oder sich den Weg durch das Innentor zu erk├Ąmpfen. In dieser Zeit waren sie jedoch ohne jeden Schutz Pfeilen und andere Waffen ausgesetzt.

Verteidiger

In Friedenszeiten konnte eine relativ geringe Anzahl von M├Ąnnern eine Burg bewachen. Nachts wurden die Zugbr├╝cken hochgezogen und die Fallgatter herabgelassen, so dass das Burgtor versperrt war. Drohte jedoch ein Angriff, so war eine weitaus gr├Â├čere Truppe f├╝r den Schutz der Burg erforderlich.

Gute Bogen- und Armbrustsch├╝tzen wurden gebraucht, die von den Mauern und T├╝rmen auf Gegner feuerten, die einen Angriff wagten oder versuchten, den Wassergraben trockenzulegen oder den Graben anzuf├╝llen. Jedes Opfer auf Seiten des Angreifers beeintr├Ąchtigte dessen Moral und Kampfst├Ąrke. Schwere Verluste im Waffenfeuer konnten den Gegner zur Aufgabe bringen.

Gelang es den Angreifern, bis zu einem Nahkampf vorzur├╝cken, so war eine starke Truppe von Schwertk├Ąmpfern erforderlich, um die Gegner aufzuhalten. M├Ąnner, die Steine werfen und hei├če Fl├╝ssigkeiten von der Br├╝stung herabsch├╝tten konnten, waren vonn├Âten. Au├čerdem mussten M├Ąnner da sein, die Sch├Ąden im Mauerwerk reparieren oder Br├Ąnde l├Âschen konnten, die durch Feuerwaffen verursacht worden waren. Eine aggressive Verteidigungsarmee versuchte M├Âglichkeiten zu finden, aus der Burg auszur├╝cken, um die Belagerungsarmee zu ├╝berfallen. Ein schneller Ausfall, bei dem ein im Bau befindlicher Belagerungsturm oder Tribok niedergebrannt wurde, konnte einen Angriff hinausz├Âgern und die Angriffsmoral des Gegners schw├Ąchen.

In Notf├Ąllen wurden die Bauern aus dem Dorf einberufen, um bei der Verteidigung der Burg mitzuwirken. Obwohl sie nicht als Soldaten ausgebildet waren und normalerweise nicht mit Bogen oder Schwert umzugehen wussten, konnten sie viele andere Aufgaben ├╝bernehmen.

Burgen- und Festungsbau in Europa

Mit Beginn des 9. Jahrhunderts gab es in der europ├Ąischen Landschaft immer mehr Burgen, erbaut von den M├Ąchtigen eines Landes. Es waren zun├Ąchst einfach konstruierte Bauten, die sich allm├Ąhlich zu Steinfestungen entwickelten. Viele geh├Ârten den K├Ânigen und ihren Vasallen, die Mehrheit wurde allerdings von den ans├Ąssigen Adligen aus Eigeninteresse gebaut. Ihr Bau wurde mit der Bedrohung durch die Barbaren gerechtfertigt, doch dienten sie dem Adel auch zur Kontrolle ├╝ber ihre L├Ąndereien. M├Âglich war diese Entwicklung, weil es in Europa in der damaligen Zeit keine strategischen Verteidigungssysteme und nur schwache Zentralgewalten gab.

Charakteristisch f├╝r den europ├Ąischen Burgenbau ist die franz├Âsische Region Poitou. Bevor die Wikinger im 9. Jahrhundert mit ihren Raubz├╝gen begannen, gab es lediglich drei Burgen in dieser Region. Im 11. Jahrhundert waren es bereits 39. ├ähnlich verhielt es sich in ganz Europa. Burgen konnten schnell erbaut werden, und vor der Erfindung der Kanone hatten die Verteidiger einer Burg gegen├╝ber den Angreifern einen klaren Vorteil.

Der weit verbreitete Bau von Burgen und das Unterhalten gro├čer Einheiten von Soldaten, die f├╝r die Verteidigung gebraucht wurden, f├╝hrte jedoch keineswegs zu Frieden und gegenseitiger Unterst├╝tzung bei der Abwehr von Eindringlingen, sondern zu unaufh├Ârlichen kriegerischen Auseinandersetzungen.

Die Entwicklung im Burgenbau

Die ersten Burgen wurden auf einem breiten, eingeebneten und meist etwa 15 m hohen Erdh├╝gel, einer so genannten Motte, gebaut und von einer sch├╝tzenden Umwallung umgeben. Auf der Motte wurde ein gro├čer Holzturm und unterhalb eine Palisade als Schutz f├╝r den dort befindlichen Burghof errichtet. Der Burghof am Fu├č des H├╝gels beherbergte die Vorratslager, Viehst├Ąlle und H├╝tten. Sowohl die Motte als auch der Bereich innerhalb der Umwallung waren kleine Inseln, umgeben von einem Wassergraben, der ausgehoben worden war, um die kleine Erhebung zu schaffen. Eine Br├╝cke und ein schmaler steiler Pfad trennten die beiden Bereiche der Burg voneinander. Konnte in Zeiten der Gefahr die Umwallung nicht gehalten werden, zogen sich die Verteidigungskr├Ąfte in den Turm zur├╝ck.

Im 11. Jahrhundert wurden Erde und Holz beim Bau von Burgen allm├Ąhlich durch Stein ersetzt. Der Holzturm auf der Motte wurde durch eine runde Steinfestung abgel├Âst, die sich zu einem Turm, dem Hauptturm der Burg weiterentwickelte. Der alte Burghof und der Hauptturm wurden durch eine Au├čenmauer aus Stein eingeschlossen, die ihrerseits wiederum von einem einfachen Graben oder einem Wassergraben umgeben war. Ein einziges befestigtes Tor, das durch eine Zugbr├╝cke und Fallgatter gesch├╝tzt war, f├╝hrte in die Burg hinein. Das ber├╝hmteste Beispiel f├╝r eine solche Burg ist der Tower in London, erbaut von Wilhelm dem Eroberer. Die gro├če quadratische Konstruktion stand zun├Ąchst allein und wurde hell get├╝ncht, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sp├Ątere K├Ânige erweiterten die Burg durch eine Au├čenmauer und andere Befestigungsma├čnahmen, die noch heute zu sehen sind.

Die Burgen entwickelten sich weiter, nachdem die Kreuzfahrer von ihren Reisen aus dem Osten mit neuen Erkenntnissen und Erfahrungen ├╝ber Festungsbau und Belagerungswaffen zur├╝ckgekehrt waren. Es wurden konzentrisch angelegte Burgen konstruiert, bei denen ein zentral gelegener Hauptturm von zwei oder mehr Ringmauern umgeben war. Die Mauern wurden zun├Ąchst mit eckigen T├╝rmen, sp├Ąter mit runden T├╝rmen verst├Ąrkt. Die Ecken der quadratischen T├╝rme konnten leicht attackiert werden und machten so den ganzen Turm verwundbar. Runde T├╝rme dagegen konnten den Angriffen eher standhalten. Die Mauerkronen und Turmspitzen wurden mit Zinnen versehen, um von oben herab noch wirkungsvoller k├Ąmpfen zu k├Ânnen.

Im fr├╝hen 14. Jahrhundert wurden in Europa zum ersten Mal Kanonen eingesetzt, doch kann vor Mitte des 15. Jahrhunderts kaum von einer effektiven Belagerungsartillerie die Rede sein. Der Einsatz von Kanonen hatte weiteren Einfluss auf die Konstruktion von Burgen. Hohe senkrechte Mauern wurden durch leicht abgeschr├Ągte ersetzt. In der Mitte des 15. Jahrhunderts waren die Burgen vom Verfall gekennzeichnet. Grund daf├╝r war die zunehmende Macht der K├Ânige. Im 11. Jahrhundert hatte Wilhelm der Eroberer alle Burgen Englands zu seinem Eigentum erkl├Ąrt, um die Macht des Adels zu schw├Ąchen. Im 13. Jahrhundert musste der K├Ânig um Erlaubnis f├╝r den Bau einer neuen oder zur Verst├Ąrkung einer bestehenden Burg gebeten werden. Die K├Ânige wollten damit die Burgen entmilitarisieren und die Gefahr ihrer Nutzung durch potentielle Rebellen einschr├Ąnken.

Burgen verkamen zu Wohnst├Ątten des Adels und verfielen zu Ruinen. Im Gegenzug gewannen befestigte St├Ądte zunehmend an Bedeutung, denn der Reichtum des Landes hatte sich in die St├Ądte verlagert.

Die Errichtung einer Burg

Die Bauzeit einer Burg konnte weniger als ein Jahr und bis zu 20 Jahre betragen. Mehrere Jahrhunderte lang war der Burgenbau ein wichtiger Wirtschaftszweig. Steinmetzmeister mit einem gutem Ruf waren gefragte Leute und ganze Gruppen von Burgenbauern zogen von Ort zu Ort. St├Ądte, die eine Kathedrale errichten wollten, mussten sich mit Adligen, die eine Burg haben wollten, um die besten M├Ąnner streiten.

Der Bau der Burg Beaumaris in Nord-Wales begann 1295. Sie war symmetrisch angelegt und hatte somit keine Schwachpunkte. Zu Hochzeiten der Errichtung wurden 30 Schmiede, 400 Steinmetze und 2.000 Tagel├Âhner ben├Âtigt. Die Tagel├Âhner waren f├╝r Graben, Schleppen, Heben, Brunnenbau und den Steinbruch zust├Ąndig. Diese besondere Burg wurde jedoch niemals fertig gestellt. Die von Eduard I. von England in Auftrag gegebene Errichtung der massiven Burg im walisischen Conway dauerte 40 Monate.

Die Burgmauern bestanden aus Mauerschalen, die mit Steinschutt und Feuerstein, vermischt mit M├Ârtel, gef├╝llt wurden. Die Mauerdicke lag zwischen 2 und 5 m.

Die Belagerung von Burgen

Durch die Zunahme von Burgen und befestigten St├Ądten und deren Bedeutung in strategischer Hinsicht war die Eroberung oder Verteidigung von Festungen eine verbreitete milit├Ąrische Handlung im sp├Ąten Mittelalter. Auch wenn eine kleine Truppe zur Verteidigung einer Burg gen├╝gte, so bedurfte es einer gro├čen Armee sie einzunehmen. Der Angreifer brauchte ein zahlenm├Ą├čig gro├čes Heer, um das Umland der Burg zu ├╝berwachen, die Befreiungsarmee des Gegners abzuwehren, die Festung anzugreifen oder zumindest den Belagerungsdruck aufrechtzuerhalten. Dies alles war ein kostspieliges Unternehmen.

War eine Armee im Anmarsch auf eine Burg, zogen sich die Burgleute meist ins Innere zur├╝ck und nahmen alle wertvollen Dinge, insbesondere Nahrungsmittel und Waffen, mit sich. Wurde eine lange Belagerung erwartet, so konnte es vorkommen, dass den Bauern, die nicht k├Ąmpfen konnten, der Zugang zur Burg verweigert wurde, um Nahrungsmittel zu rationieren. Es gibt viele Belege f├╝r derartige F├Ąlle, in denen Menschen aus einer belagerten Stadt vertrieben wurden, um die Vorr├Ąte zu schonen. Als beispielsweise Heinrich V. von England die Stadt Rouen belagerte, jagten die Verteidiger die Armen und Schwachen aus eben diesem Grund aus der Stadt. Die Engl├Ąnder wiederum lie├čen nicht zu, dass diese armen Menschen ihre Reihen passierten. Alte M├Ąnner, Frauen und Kinder lebten monatelang zusammengepfercht zwischen der Stadt und der englischen Armee auf der Suche nach allem, was zum ├ťberleben dienen konnte, und viele von ihnen verhungerten, bevor die ├ťbergabe der Stadt ausgehandelt war.

R├╝ckte eine Armee an, so konnten ├ťbergabe und Bedingungen sofort ausgehandelt werden, insbesondere wenn eine Burg oder eine Stadt unterbemannt war. Die Angreifer w├Ągten sorgf├Ąltig die Chancen f├╝r einen Angriff ab, wenn die Verhandlungen scheiterten. Wurde ein schneller Angriff abgewehrt oder als zu gef├Ąhrlich betrachtet, umzingelten die Angreifer die Burg und begannen mit ihrer Belagerung. Mit Beschuss der Stadt durch die Belagerungsartillerie war die Belagerung offiziell er├Âffnet. Ein R├╝ckzug ohne guten Grund galt fast immer als unehrenhaft und unannehmbar.

Eine gro├če Belagerung war mit einem gesellschaftlichen Ereignis zu vergleichen. Die Belagerung der Stadt Neuss im 15. Jahrhundert dauerte nur wenige Monate, doch die Angreifer errichteten ein riesiges Lager, einschlie├člich Sch├Ąnken und Tennispl├Ątzen. Adlige, die an Belagerungen teilnahmen, richteten sich h├Ąuslich ein und brachten h├Ąufig auch ihre Frauen und ihren Haushalt mit. H├Ąndler und Handwerker aus den Nachbarst├Ądten machten sich eilig daran, L├Ąden zu errichten und ihre Dienste anzubieten.

Formalit├Ąten der Belagerung

Die Realit├Ąt der Kriegsf├╝hrung in jener Zeit sah so aus, dass Burgen und St├Ądte nur selten durch ├ťberf├Ąlle erobert wurden. Derartige Angriffe waren meist ein Akt der Verzweiflung oder wurden nur durch List und T├╝cke m├Âglich. War die Garnison zahlenm├Ą├čig nicht absolut ├╝berlegen, so kostete ein ├ťberfall einfach zu viele Menschenleben. Weitaus gel├Ąufiger war es, eine Belagerung gem├Ą├č den g├Ąngigen Regeln der Kriegsf├╝hrung und des Ehrenkodex durchzuf├╝hren und die Burg mit relativ geringen Verlusten einzunehmen. F├╝r die Verteidiger w├Ąre es Verrat gewesen, sich ganz ohne Kampf zu ergeben. Deshalb mussten die Angreifer die Belagerung aufrechterhalten und die Burgmauern attackieren. War der Burgherr nicht anwesend, so konnte sein Stellvertreter, der sog. Kastellan, die Burg ohne Ehrverlust nach mehreren Tagen ├╝bergeben, wenn keine Befreiungsarmee erschienen war. Kastellane verlangten h├Ąufig einen Vertrag, in dem ihre Pflichten und die Umst├Ąnde, unter denen sie bei einer ├ťbergabe nicht bestraft werden konnten, genau festgelegt waren.

In den wenigen F├Ąllen, in denen eine ├ťbergabe nicht in Betracht kam oder ver├Ąchtlich zur├╝ckgewiesen wurde, war es ├╝blich, wenig Erbarmen mit den Besiegten zu zeigen, wenn der Angriff erfolgreich vor├╝ber war. Einfache Soldaten und sogar B├╝rger, die sich in der Burg aufhielten, wurden niedergemetzelt, Burg oder Stadt gepl├╝ndert. Gefangen genommene Ritter wurden meist am Leben gelassen, denn f├╝r sie konnte ein L├Âsegeld gefordert werden. Alle Angreifer erhielten einen Anteil von der Beute. F├╝r die Praxis bedeutete dies ein weiteres Argument f├╝r die Verteidiger, nach einer angemessenen Belagerungszeit in die ├ťbergabeverhandlungen einzutreten. Heinrich V. von England nahm 1417 die Stadt Caen nach einer langen Belagerung ein. Danach erlaubte er seiner Armee, die Stadt als Strafe f├╝r ihren z├Ąhen Widerstand vollst├Ąndig zu pl├╝ndern. Alle M├Ąnner der Stadt mit Ausnahme der Geistlichen wurden get├Âtet. Bei seinem n├Ąchsten Halt, der Burg von Bonneville, waren die Verteidiger nach sieben Tagen, in denen sich keine Befreiungsarmee gezeigt hatte, zur ├ťbergabe bereit, auch wenn beiden Seiten klar war, dass es keine Aussicht auf Befreiung gab.

Die Burg Krak des Chevaliers in Syrien war die ber├╝hmteste Kreuzfahrerburg im Nahen Osten und ist bis heute erhalten geblieben. Sie wurde von den Johannitern in der Zeit der Kreuzz├╝ge verteidigt und ├╝berstand in ├╝ber 130 Jahren mehr als ein Dutzend Belagerungen und Angriffe, bevor sie 1271 letztendlich von ├Ągyptischen Arabern erobert werden konnte. Die Geschichte ihrer Einnahme ist ungew├Âhnlich. Typisch hingegen ist, dass die Verteidiger nicht bis zum Tode k├Ąmpften.

Die Araber vermieden einen Angriff durch das Haupttor der Krak des Chevaliers, da dies zu einer ganzen Anzahl von t├Âdlich engen Passagen und zu einem zweiten, noch st├Ąrker befestigten Tor gef├╝hrt h├Ątte. Sie attackierten stattdessen die S├╝dmauer, indem sie den gro├čen Eckturm im S├╝dwesten untergruben. Dadurch konnten sie hinter die ├Ąu├čere Mantelmauer gelangen. Bevor sie den noch st├Ąrker befestigten Hauptturm angriffen, versuchten sie es mit einer List. Sie schickten eine Brieftaube mit einer Nachricht des Oberhauptes der Johanniter in die Burg, in der die Garnison aufgefordert wurde, sich zu ergeben. Zahlenm├Ą├čig unterlegen und ohne Hoffnung auf Befreiung kamen die Verteidiger der Aufforderung nach. Wenngleich ihnen bewusst war, dass es sich um eine gef├Ąlschte Nachricht handelte, konnten sie die gro├če Burg ohne Verlust ihrer Ehre ├╝bergeben.

Minen

Das Hauptproblem bei der Einnahme einer Burg oder einer befestigten Stadt bestand in der ├ťberwindung der Mauern, die den Zugang versperrten und die Verteidiger sch├╝tzten. Eine M├Âglichkeit bestand darin, einen Mauerabschnitt durch Untergraben, auch Minieren genannt, zum Einsturz zu bringen. Dies war nur machbar, solange die Burgen noch keine Wassergr├Ąben hatten bzw. nachdem die Gr├Ąben trockengelegt waren. Das Minieren war nicht m├Âglich, wenn die Mauer aus festem Stein gebaut war.

Die Angreifer gruben eine Mine, d. h. einen Stollengang bis zur Mauer und weiter entlang ihres Fu├čes. Die Mine wurde mit Holzstollen abgest├╝tzt, die nach und nach die dar├╝berliegende Last der Mauern abst├╝tzten. Zu einem vorab vereinbarten Zeitpunkt wurden die Stollen in Brand gesetzt, so dass der Mauer allm├Ąhlich die St├╝tze entzogen wurde und, wenn alles planm├Ą├čig verlief, ein Teil von ihr einst├╝rzte. Auf diese Weise verschafften sich die Soldaten den Zugang f├╝r einen direkten Angriff auf die Burg.

Stolleng├Ąnge waren arbeits- und zeitaufwendig. Verteidiger, die das Vorgehen des Angreifers bemerkten, konnten eine zweite Mauer zur Verst├Ąrkung hochziehen, so dass beim Einsturz der Mauer die Verteidigungsanlagen dennoch nicht frei zug├Ąnglich wurden. Ebenso konnten die Verteidiger ihrerseits Stolleng├Ąnge unter die Mauern treiben, um die feindlichen Minen abzuschneiden. Trafen die Stolleng├Ąnge aufeinander, so kam es unter der Erde zum Kampf.

Die Belagerung

Die Belagerungsarmee errichtete Posten um die Burg herum, um die Flucht oder den Ausfall von Soldaten aus der Burg zu verhindern. Die umliegenden Bauernh├Âfe und D├Ârfer wurden von den Belagerern eingenommen. Patrouillen wurden ausgesandt, um m├Âglicherweise anr├╝ckende Befreiungsarmeen aufzusp├╝ren und Nahrungsmittel aufzutreiben. Die Befehlshaber der Angriffsarmee pr├╝ften die Lage und entschieden, ob die Burg lediglich belagert wurde oder ob Vorbereitungen zum Angriff getroffen werden mussten. Konnte die Eroberung durch das Aushungern der Burgbewohner erreicht werden, konzentrierten sich die Angreifer darauf, die Umzingelung aufrechtzuerhalten und Befreiungsarmeen an einer Aufhebung der Belagerung zu hindern. Wurde ein Angriff geplant, so wurde abgew├Ągt, welche der folgenden M├Âglichkeiten Erfolg versprechend waren:

* Minieren eines Mauerabschnitts.

* Zerst├Ârung eines Mauerabschnitts durch das
   Schleudern von Steinen (oder mit Hilfe von Kanonen,
   die allerdings erst um 1450, also erst gegen Ende
   dieser Epoche wirkungsvoll eingesetzt werden
   konnten).

* Zusch├╝tten eines Teils des Burggrabens (oder
   Wassergrabens, falls vorhanden)

* Aufstellen von Belagerungst├╝rmen und Leitern zur
   ├ťberwindung der Mauern

* Angriff auf ein Tor oder einen anderen Bereich
   mit Rammb├Âcken.

Die Geschwindigkeit, in der die Angriffsvorbereitungen getroffen wurden, hing davon ab, wie dringend die Einnahme der Burg war, welche Aussichten es f├╝r eine ├ťbergabe seitens der Verteidiger gab und wie gro├č die zur Verf├╝gung stehende Mannschaft war. Hatten die Angreifer gro├če Nahrungsmittelvorr├Ąte, war keine Befreiungsarmee in Sicht, und war es wahrscheinlich, dass sich die Verteidiger nach Rettung ihrer Ehre ergeben w├╝rden, so waren die Vorbereitungen oftmals nur Schau. Waren aber die Vorr├Ąte knapp, wurde in K├╝rze mit dem Eintreffen einer Befreiungsarmee gerechnet, und waren die Verteidiger hartn├Ąckig, so wurden die Vorbereitungen m├Âglicherweise Tag und Nacht vorangetrieben.

Nach Abschluss der Angriffsvorbereitungen erhielten die Verteidiger noch eine letzte Chance sich zu ergeben.

Belagerungsger├Ąt

Belagerungsger├Ąt wurde eingesetzt, um hinter die Mauern oder anderen Verteidigungsanlagen der Burg zu gelangen. Damit sollten die strategischen Nachteile f├╝r die zahlenm├Ą├čig ├╝berlegene Angriffsarmee gegen├╝ber den Verteidigern weitestgehend ausgeschaltet werden. Das meiste Belagerungsger├Ąt diente dazu, die Mauern zum Einsturz zu bringen. Neben der einfachen Sturmleiter waren die im Mittelalter vornehmlich verwendetem Belagerungsmittel der Tribok, die Mange, der Belagerungsturm, der Rammbock oder die Pavese.

War eine Mauer eingest├╝rzt oder ein Belagerungsturm richtig positioniert, so f├╝hrte eine Truppe von Freiwilligen den Angriff an. Wegen der zu erwartenden Opfer hie├č diese Truppe auch der "verlorene Haufen". Die ├ťberlebenden dieser Truppe wurden daf├╝r jedoch meist mit Bef├Ârderung, Titeln und Beute reich belohnt.

Der Tribok war ein gro├čes Katapult, das mit einem schweren Gegengewicht, meist ein mit Steinen beladener Kasten, betrieben wurde. Der lange Wurfarm wurde gegen die Schwere des Gegengewichts herabgewunden und mit einem gro├čen Stein beladen. Beim Ausl├Âsen des Wurfarms sank das schwere Gewicht schnell zu Boden, der Wurfarm bewegte sich nach oben, und der Stein wurde in hohem Bogen nach vorn geschleudert. Die Geschosse eigneten sich am besten f├╝r Ziele wie Turmspitzen, Zinnen und Wehrgangsanlagen. Schwierig war es hingegen, mit dem Tribok steile Mauern zu besch├Ądigen, denn dazu mussten die Geschosse direkt auf der Mauerkrone landen. Der Tribok wurde au├čerhalb der Reichweite von Bogensch├╝tzen positioniert und auch als Verteidigungswaffe eingesetzt, wenn der Gegner einen Ausfall riskierte und versuchte, die Wurfmaschine zu verbrennen. Weiterhin diente er dazu, Holzd├Ącher zu durchschlagen. Die Tr├╝mmer konnten anschlie├čend mit Feuergeschossen in Brand gesetzt werden.

Die Mange war ein anderes Katapult, das durch einen Strang gedrehter Seile oder Sehnen ausgel├Âst wurde. Mittels einer Drehvorrichtung wurden die Seile aufgewickelt und mit einer Sperrklinke arretiert, so dass Spannung aufgebaut wurde. Wurde die Mange ausgel├Âst, schleuderten die Seile den Wurfarm nach oben. Beim Aufprall auf eine massive Anschlagbarre wurden die Geschosse im Kasten am Ende des Wurfarms vorw├Ąrts geschleudert. Die Anschlagbarre konnte verstellt werden, um die Flugbahn des Geschosses zu ver├Ąndern. Mangen hatten im Vergleich zum Tribok eine flache Flugbahn, konnten aber dieselbe Spannung erzeugen. Oft waren viele Sch├╝sse mit der Mange erforderlich, um eine Mauer ernsthaft zu besch├Ądigen. Die Geschosse und die eingest├╝rzten Mauerteile konnten jedoch zum Zusch├╝tten von Gr├Ąben genutzt werden, so dass die Angreifer auf die so entstehenden Tr├╝mmerhaufen klettern konnten.

Belagerungst├╝rme wurden zun├Ąchst nahe an die Mauern geschoben. Dann wurde von der obersten Plattform des Turmes eine Fallbr├╝cke ├╝ber die Mauerkrone geworfen. Die Soldaten, die sich in dem Turm befanden, konnten nun ├╝ber die Mauern st├╝rmen und die Verteidiger in einen Nahkampf verwickeln. Derartige Belagerungst├╝rme waren oft sehr gro├č und mussten mit feuchten F├Ąllen gegen Feuer gesch├╝tzt werden. Aufgrund ihres immensen Gewichts waren sie nur schwer beweglich. Sie mussten entweder vorw├Ąrts geschoben oder mit Hilfe von zuvor auf Pfosten montierten Rollen gezogen werden. Im Vorfeld musste der Boden entsprechend vorbereitet werden, damit der Turm leichter bewegt werden konnte. Meist wurde eine Art Fahrbahn geschaffen, bestehend aus flachen Holzbrettern, die auf die festgestampfte Erde gelegt wurden. Von einem Kampfbereich auf der obersten Plattform aus konnten die Bogensch├╝tzen beim Heranschieben des Turmes an die Mauer in die Burg hineinschie├čen. Die Soldaten erklommen die Treppen, sobald der Turm nahe genug stand. Wegen der umfangreichen Aufbauma├čnahmen kamen die Angriffe von einem Belagerungsturm f├╝r die Verteidiger nie ├╝berraschend. Diese ergriffen ihrerseits Ma├čnahmen, um den gef├Ąhrdeten Mauerabschnitt zu erh├Âhen oder das Abwerfen der Fallbr├╝cke zu verhindern. Sie versuchten, den Belagerungsturm mit Haken zu krallen und ihn umzuwerfen. Um solche Verteidigungsversuche zu st├Âren, nahm die ├╝brige Belagerungsmaschinerie den anvisierten Mauerabschnitt so lange unter Beschuss, bis der Angriff starten konnte. Hatte es die erste Angriffstruppe geschafft, vom Turm aus in die Burg zu gelangen, kamen st├Ąndig Soldaten nach, um die Einnahme der Burg erfolgreich zu Ende zu bringen.

Der Rammbock bestand aus einem gro├čen, in einem fahrbaren Gestell aufgeh├Ąngten Baumstamm mit einer Eisenspitze, der gegen einen Mauerabschnitt oder ein Tor gerollt werden konnte. Durch Vor- und Zur├╝ckbewegen konnte der Baumstamm immer wieder gegen die Mauer gerammt werden. Durch die Schlagkraft wurden Holzt├╝ren oder Steinmauern durchbrochen und ein Zugang f├╝r den Angriff geschaffen. Das Dach des Gestells war mit nassen Fellen abgedeckt, um einen Brand zu verhindern. Das Bedienen eines Rammbocks war ein gef├Ąhrliches Unterfangen. Die Verteidiger attackierten den Rammbock mit gro├čen Steinen, kochend hei├čem Wasser oder brennendem Fett, um das Ger├Ąt zu zerst├Âren oder die M├Ąnner zu t├Âten, die es bedienten. Selbst wenn es gelang, ein Tor oder eine Zugbr├╝cke zu zerst├Âren, so mussten meist noch eine Reihe von Fallgattern und das Torhaus ├╝berwunden werden. Bei der Belagerung von Tyrus im Winter 1111-1112 verwendeten die Araber eine geniale Verteidigungswaffe gegen den Rammbock. Sie warfen Haken auf ihn herab, die sich in den Baumstamm krallten und zogen ihn von der Wand weg. Immer wieder gelang es ihnen, den Einsatz des Rammbocks zu behindern.

Angreifende Bogen- und Armbrustsch├╝tzen sch├╝tzten sich am Boden hinter gro├čen Schilden, den Pavesen. Durch eine schmale Schie├čscharte am oberen Ende der Pavese konnte der dahinter stehende Mann auf den Gegner schie├čen. Der englische K├Ânig Richard L├Âwenherz wurde von einem Armbrustsch├╝tzen an der Schulter t├Âdlich verletzt, als er seitlich an seiner Pavese vorbeischaute.

Rom vor seinem Niedergang

Im 4. Jahrhundert n. Chr. erstreckte sich das R├Âmische Reich auf den ganzen Mittelmeerraum einschlie├člich des Gebietes der heutigen T├╝rkei, Israel, ├ägypten und Nordafrika. Das gesamte heutige Frankreich (Gallien genannt) sowie Spanien und Portugal (Iberia) geh├Ârten zum R├Âmischen Reich, w├Ąhrend in Schottland und Irland die Barbaren (nicht-r├Âmische oder unzivilisierte V├Âlker) herrschten. Die n├Ârdlichen Grenzen des Reiches bildeten der Rhein und die Donau. Das Land n├Ârdlich dieser Fl├╝sse war von einer Vielzahl von St├Ąmmen skandinavischer Herkunft besetzt, die die R├Âmer Germanen nannten.

Rom war mit den St├Ąmmen n├Ârdlich der gro├čen europ├Ąischen Fl├╝sse in st├Ąndige Grenzstreitigkeiten verwickelt. Waren starke Kaiser an der Macht, so konnte das Reich gelegentlich ├╝ber die Fl├╝sse hinaus ausgeweitet werden, w├Ąhrend unter der Herrschaft schw├Ącherer Kaiser eher Land verloren wurde. Der gr├Â├čte organisierte Gegner der R├Âmer im Osten war das persische Reich, das sich ├╝ber das heutige Syrien, Iran, Irak und Afghanistan erstreckte. Die Perser waren die politischen Nachfolger der Parther, die sich infolge der Feldz├╝ge Alexanders des Gro├čen gegen die griechische Herrschaft aufgelehnt hatten und anschlie├čend dem Eindringen der R├Âmer erfolgreich Widerstand leisteten.

Mehr als 1.000 Jahre lang war das R├Âmische Reich eine bedeutende Macht. Die R├Âmer brachten dem zivilisierten Westen Stabilit├Ąt, Wohlstand und Ordnung. Ausgezeichnete Stra├čen verbanden die entferntesten Ausl├Ąufer des Reiches mit der Hauptstadt Rom. Urspr├╝nglich waren diese Stra├čen f├╝r milit├Ąrische Zwecke gebaut worden, sie dienten jedoch auch insgesamt einer Verbesserung der Verbindungswege und des Handels. Das R├Âmische Recht sorgte f├╝r Frieden innerhalb des Reiches, seine Au├čengrenzen wurden von 20 bis 30 r├Âmischen Legionen verteidigt.

Trotzdem war nicht alles perfekt. Die Kaiser besa├čen die absolute Macht. Waren f├Ąhige Kaiser an der Macht, so war dies von Nutzen, unf├Ąhige Kaiser hingegen konnten gro├čen Schaden anrichten. Die Thronfolge war nie eindeutig geregelt, so dass es h├Ąufig zu B├╝rgerkriegen kam, die das Reich schw├Ąchten. Die Verwaltung, die das t├Ągliche Leben im Reich regelte, wurde immer korrupter, und die Unzufriedenheit der B├╝rger immer gr├Â├čer. Der Wohlstand des Reiches konzentrierte sich zunehmend in den H├Ąnden einer kleinen Minderheit, w├Ąhrend die meiste Arbeit von einer Vielzahl Sklaven verrichtet wurde. Die Grenzen des Reiches waren immens und setzten seine milit├Ąrischen Ressourcen einer starken Belastung aus (500.000 Soldaten verteidigten eine Grenze, f├╝r deren Sicherheit eigentlich drei Millionen oder mehr n├Âtig gewesen w├Ąren). Die r├Âmischen Eroberungsz├╝ge endeten im 2. Jahrhundert n. Chr., und somit versiegte der gro├če Nachschub an Kriegsbeute und Sklaven. Die Steuern stiegen, und die Produktion sank mit dem Wegfall von Arbeitskr├Ąften. Im 3. und 4. Jahrhundert fielen vermutlich 20 Prozent der Bev├Âlkerung des R├Âmischen Reiches einer Seuche zum Opfer, wodurch Handel und Produktion weiter geschw├Ącht wurden.

Gegen Ende des 3. Jahrhundert teilte sich das R├Âmische Reich in eine ├Âstliche und eine westliche H├Ąlfte. Eine einfachere Verwaltung und eine bessere Kontrolle sollten dadurch gew├Ąhrleistet werden. Im Jahre 323 wurde Konstantin nach einem B├╝rgerkrieg Kaiser und errichtete die Hauptstadt des Ostr├Âmischen Reiches in Byzanz, das er in Konstantinopel umbenannte. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts entwickelten der ├Âstliche und der westliche Teil des Reiches nach und nach eine eigene Identit├Ąt, obwohl es sich dem Namen nach immer noch um dasselbe Reich handelte. Beeinflusst wurde diese Entwicklung zum Teil durch den unterschiedlichen Druck, der von au├čerhalb der Grenzen und von den ├Ârtlichen Kulturen ausge├╝bt wurde. Im Westr├Âmischen Reich herrschte das Lateinische vor, im Ostr├Âmischen Reich das Griechische, obwohl seine Bewohner sich selbst als R├Âmer bezeichneten. Das Ostr├Âmische Reich ├╝berlebte die Umw├Ąlzungen des 3. und 4. Jahrhunderts, weil seine Bev├Âlkerung gr├Â├čer war (70 Prozent der Gesamtbev├Âlkerung des Reiches), es ├╝ber st├Ąrkere Kaiser, mehr Geld, ein weitaus besseres Heer und eine bessere Flotte verf├╝gte.

Barbarische Invasoren

Um das Jahr 200 n. Chr. begannen Nomadenst├Ąmme aus den gro├čen Grassteppen Zentralasiens nach China, Indien, Persien und Europa zu wandern. Die Gr├╝nde f├╝r diese Abwanderung sind nicht ganz klar. Der gr├Â├čte Nomadenstamm waren die Hunnen. Ihre kleine Statur und ihre kleinen Ponys t├Ąuschten ├╝ber ihre wilde, entschlossene H├Ąrte hinweg. Sie versetzten andere St├Ąmme, denen sie auf ihren Wanderungen begegneten, in Angst und Schrecken und verursachten so eine Art Dominoeffekt. Auf ihrem Weg nach Westen beispielsweise vertrieben die Hunnen die Goten, die nordwestlich des Schwarzen Meeres lebten. Diese wanderten nun ├╝ber die Donau in Richtung S├╝den bis in die Balkanl├Ąnder, die unter der Herrschaft des Ostr├Âmischen Reiches standen. Ein Teil der Hunnen wanderte in die germanischen Ebenen und veranlasste andere germanische St├Ąmme dazu, den Rhein zu ├╝berqueren.

Das Westr├Âmische Reich war zu jenem Zeitpunkt durch sporadische Angriffe und Invasionen jenseits des Rheins und der Donau bereits geschw├Ącht. F├╝r die germanischen St├Ąmme mit ihren wachsenden Bev├Âlkerungszahlen war das d├╝nn besiedelte Land in Gallien erstrebenswert. Ebenso wie die Vorz├╝ge, die es mit sich brachte, dem R├Âmischen Reich anzugeh├Âren. Um 400 bestand die r├Âmische Armee bereits zu 30 bis 50 Prozent aus germanischen S├Âldnern. Aus Verzweiflung wurden einige Barbarenst├Ąmme als ganze Einheiten in die r├Âmische Armee aufgenommen, um die Verteidigung gegen andere St├Ąmme zu unterst├╝tzen. Diese Praktik war besonders w├Ąhrend der B├╝rgerkriege im 4. Jahrhundert beliebt, als Anw├Ąrter auf den Thron in Rom in k├╝rzester Zeit Armeen aufstellen mussten. Diese Barbareneinheiten waren jedoch nicht so loyal und diszipliniert wie die Legionen und wurden von ihren eigenen Anf├╝hrern befehligt. Diese ├ťberbr├╝ckungsma├čnahme scheiterte, denn ganze Barbarenheere revoltierten. Die Rhein- und Donaugrenzen l├Âsten sich auf, und Germanenst├Ąmme drangen nach Gallien, in den Balkan und sogar nach Italien vor. An der sich aufl├Âsenden Grenze wurde unaufh├Ârlich gek├Ąmpft, und die Anzahl der loyalen r├Âmischen Truppen verringerte sich stetig.

Die letzten Legionen in Britannien wurden im Jahre 410 zum Dienst nach Gallien abgezogen und verlie├čen somit diese Provinz f├╝r immer. Die Angriffe der Sachsen nahmen zu und wuchsen sich zu regelrechten Invasionen aus.

Die J├╝ten, Friesen und Angeln, andere germanische St├Ąmme von der Nordk├╝ste, schlossen sich den Sachsen an. Gemeinsam besiegten sie die r├Âmisch-britische Kultur und nahmen das heutige England (Angelland) in ihren Besitz.

Das Ostr├Âmische Reich litt unter dem Verlust des gr├Â├čten Teils des Balkans, war jedoch in der Lage, die Barbaren abzulenken oder zu bestechen, bevor sie Konstantinopel angreifen konnten. Die Invasoren in diesem Gebiet waren die Goten, die durch ihren Kontakt mit dem Ostr├Âmischen Reich wesentlich zivilisierter geworden waren als die germanischen St├Ąmme entlang des Rheins. Die Goten kamen in erster Linie als Siedler, nicht als Eroberer.

Im 5. Jahrhundert wurde Rom mehrfach eingenommen; das Westr├Âmische Reich existierte nicht mehr wirklich. Italien wurde wiederholt ├╝berfallen und verw├╝stet. Im Jahre 476 wurde der letzte anerkannte R├Âmische Kaiser get├Âtet. Italien und das Alte R├Âmische Reich war nun von germanischen St├Ąmme besetzt. Das allgemeine Bestreben der Barbaren, die Stabilit├Ąt und Ordnung der vergangenen r├Âmischen Kultur zu bewahren, konnte nicht verwirklicht werden. Nur Bruchst├╝cke blieben nach dem Aufruhr und der Verw├╝stung, die den ├ťberf├Ąllen folgten, erhalten. Der gr├Â├čte Teil Europas fiel in eine primitive und barbarische Dunkle Zeit zur├╝ck.

Die Dunkle Zeit

Nach dem Untergang Roms begann f├╝r Westeuropa eine Epoche, die die Dunkle Zeit genannt wurde. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass ein gro├čer Teil der Kultur und Zivilisation des R├Âmischen Reiches zerst├Ârt und von einer barbarischen Kultur abgel├Âst worden war. Die Bezeichnung wurde nicht zuletzt auch gew├Ąhlt, weil nur wenig Schriftgut erhalten ist, das Licht auf die Ereignisse jener Zeit werfen k├Ânnte.

Religionen in der Dunklen Zeit

Im 4. Jahrhundert wurde das Christentum zur offiziellen Religion des Heiligen R├Âmischen Reiches. Vor dem Untergang Roms begann seine Verbreitung auch unter den germanischen St├Ąmmen. Die Teilung des Heiligen R├Âmischen Reiches in eine ├Âstliche und eine westliche H├Ąlfte f├╝hrte auch zu einer Spaltung innerhalb der christlichen Kirche. Der Westen, der seinen religi├Âsen Mittelpunkt in Rom hatte, wurde katholisch, der Osten mit seinem Zentrum in Konstantinopel wurde orthodox. Im 7. Jahrhundert wurde in Arabien eine der j├╝ngsten Weltreligionen, der Islam, gegr├╝ndet.

Armeen in der Dunklen Zeit

Die germanischen St├Ąmme, die das R├Âmische Reich zu Beginn des Mittelalters ├╝berrannten, k├Ąmpften in erster Linie zu Fu├č mit ├äxten und Schwertern. Sie trugen kaum R├╝stung, lediglich Helm und Schild. Organisiert waren sie in Kriegshorden unter der F├╝hrung eines ├ältesten. Sie waren gef├╝rchtete Krieger, doch sie k├Ąmpften als wilde, ungeordnete Scharen. Die geordneten und disziplinierten r├Âmischen Legionen waren jahrhundertelang siegreich ├╝ber die germanischen St├Ąmme, nicht zuletzt weil emotional geleitete Armeen in der Regel leicht verwundbar sind. Als jedoch die r├Âmischen Legionen im untergehenden R├Âmischen Reich immer schw├Ącher wurden, gelang es den germanischen St├Ąmmen, ├╝ber die Grenze vorzusto├čen.

Nicht alle germanischen St├Ąmme k├Ąmpften zu Fu├č. Ausnahmen waren die Goten, die den Umgang mit Pferden erlernten, nachdem sie sich zuvor n├Ârdlich des Schwarzen Meeres niedergelassen hatten. Durch den Kontakt mit dem  Ostr├Âmischen Reich s├╝dlich der Donau und den barbarischen Reitern in Asien machten sowohl die West- als auch die Ostgoten Bekanntschaft mit der Kavallerie. In den ostr├Âmischen Armeen nahm die Kavallerie wegen der Auseinandersetzungen mit berittenen Barbaren, den Parthern und den Persern einen besonderen Stellenwert ein.

In den Jahrhunderten nach dem Untergang Roms prallten bei den meisten kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa Fu├čtruppen aufeinander. Eine Ausnahme m├Âgen die Schlachten Arthurs von Britannien gegen die einfallenden Sachsen gewesen sein, obwohl nicht belegt werden kann, dass seine Erfolge auf dem Einsatz der Kavallerie beruhten. Es ist jedoch m├Âglich, dass Arthur das Vordringen der Sachsen in Britannien 50 Jahre lang dank seiner Kavallerie und geordneter Truppen aufhalten konnte. Eine weitere Ausnahme war die byzantinische Armee, die Nordafrika von den Vandalen zur├╝ckeroberte und Italien im 6. Jahrhundert beinahe wieder unter ostr├Âmische Herrschaft gebracht hatte. Die St├Ąrke des byzantinischen Heeres jener Zeit lag in der Kavallerie. Die Byzantiner profitierten aber auch von einer ├╝berlegenen F├╝hrung und einem besonderen Verst├Ąndnis f├╝r Kriegstaktiken - Eigenschaften, an denen es den Barbaren mangelte.

In diesen ersten Jahrhunderten wurden K├Ąmpfe von Gruppen ausgetragen, die wohl kaum als Heer bezeichnet werden k├Ânnen. Es waren dieselben Kriegshorden wie zuvor: gemessen an byzantinischem oder asiatischem Standard waren es kleine Einheiten, die Taktik und Strategie nur in beschr├Ąnktem Ma├če anwendeten. Die wichtigsten milit├Ąrischen Handlungen waren Raubz├╝ge zur Beschaffung von Nahrungsmitteln, Vieh, Waffen und Sklaven. Aggressive St├Ąmme breiteten sich aus, indem sie die Vorrichtungen zur Nahrungsmittelherstellung des Feindes zerst├Ârten, ihn auf diese Weise aushungerten und anschlie├čend die ├ťberlebenden als Sklaven nahmen. Eine Schlacht war im Wesentlichen das Aufeinanderprallen kriegerischer Horden, die im Nahkampf mit ├äxten und Schwertern fochten. Sie k├Ąmpften in undisziplinierten Haufen und nicht in geordneten Formationen, wie sie f├╝r die R├Âmer typisch waren. Sie trugen Schild, Helm und Teile einer R├╝stung. ├ťblich war eine Lederr├╝stung, nur die ├ältesten und Elitetruppen trugen Kettenhemden.

Im fr├╝hen 8. Jahrhundert fiel das westgotische Spanien an die islamischen Krieger, von denen viele zur leichten Kavallerie geh├Ârten. Zur gleichen Zeit vermehrten sich die berittenen ├ťberf├Ąlle nomadischer Magyaren aus dem ungarischen Flachland auf Westeuropa. Im Jahre 732 gelang es einer fr├Ąnkischen Infanteriearmee, einen berittenen ├ťberfall von Moslems in der N├Ąhe von Poitiers zu zerschlagen, wodurch die islamische Expansion nach Norden beendet wurde. Karl Martell, Kriegsherr der Franken, war von der maurischen Kavallerie so beeindruckt, dass er damit begann, einen Teil seines Heeres mit Pferden auszustatten. Die Umstrukturierung wurde im weiteren Verlauf des Jahrhunderts unter dem bedeutenden fr├Ąnkischen K├Ânig Karl dem Gro├čen fortgesetzt. Die fr├Ąnkische schwere Kavallerie war der Grundstein f├╝r das Aufkommen der berittenen Krieger, der Ritter, die f├╝r die mittelalterliche Kriegsf├╝hrung charakteristisch wurden.

30 Jahre lang f├╝hrte Karl der Gro├če j├Ąhrlich Feldz├╝ge durch, die sein Reich vergr├Â├čerten. Die fr├Ąnkische Armee verf├╝gte ├╝ber Infanterie und gewaffnete Kavallerie. Letztere war seine wertvollste Waffe mit der gr├Â├čten Reputation. Die berittenen Krieger konnten sich schnell bewegen und harte Schl├Ąge gegen die meist zu Fu├č k├Ąmpfenden Gegner austeilen. Die Feldz├╝ge Karls des Gro├čen waren Raubz├╝ge, bei denen gebrandschatzt, gepl├╝ndert, zerst├Ârt und der Feind unterworfen wurde. Nur selten traf er auf einen organisierten Gegner.

Die Wikinger k├Ąmpften ausschlie├člich zu Fu├č. Es war bei ihnen jedoch ├╝blich, dass sie nach dem Landgang Pferde f├╝r ├ťberf├Ąlle im entfernteren Inland zusammentrieben. Ihre Raubz├╝ge begannen im sp├Ąten 8. Jahrhundert und endeten im 11. Jahrhundert. Die Nachkommen dieser Wikinger, die Normannen im Nordwesten Frankreichs, ├╝bernahmen rasch den Gebrauch von Pferden und z├Ąhlten zu den erfolgreichsten Kriegern des sp├Ąten Mittelalters.

Zu Anfang des 10. Jahrhunderts begannen auch die Deutschen unter Otto I. mit dem Aufbau einer Kavallerie, die eine wirkungsvolle Abwehrwaffe gegen die Raubz├╝ge der Wikinger und die berittenen ├ťberf├Ąlle der Barbaren aus dem Osten sein sollte.

Gegen Ende des 10. Jahrhunderts war die schwere Kavallerie ein wichtiger Bestandteil der meisten europ├Ąischen Heere geworden. Ausnahmen waren die Armeen der Angelsachsen, der keltischen L├Ąnder (Irland, Wales und Schottland) und von Skandinavien.

Das Christentum

Die Christianisierung der Barbaren trieb die Zivilisation m├Ąchtig voran und trug dazu bei, dass Spuren des R├Âmischen Rechtes und die lateinische Sprache in Frankreich, Italien, Spanien und Portugal ihren Niederschlag fanden. Nur in England konnte sich die katholische Kirche zun├Ąchst nicht gegen die heidnischen Religionen durchsetzen. Die Franken traten unter Chlodwig der katholischen Kirche bei und brachten das Christentum ├╝ber den Rhein zu den Germanen. Byzanz hingegen gelang es, die Bulgaren und Slawen in die orthodoxe Kirche zu einzugliedern.

Im fr├╝hen 5. Jahrhundert wurde das Christentum von St. Patrick nach Irland gebracht und breitete sich von dort nach Schottland und vom Norden her zur├╝ck nach England aus. Im sp├Ąten 6. Jahrhundert entsandte Papst Gregor der Gro├če vom S├╝den her Missionare nach England. Innerhalb eines Jahrhunderts hielt das Christentum auch in England wieder Einzug.

Kl├Âster

In den Unruhen der Dunklen Zeit zogen sich einige tiefgl├Ąubige Christen von der Gesellschaft zur├╝ck, um als Einsiedler zu leben. Sie taten dies meist an einsamen und verlassenen Orten am Rande der Zivilisation. Diese Einsiedler wiederum inspirierten andere herk├Âmmliche Priester, sich der Armut und dem Dienst am N├Ąchsten zu versprechen, wobei sie sich auf die Lehren Jesu Christi beriefen.

Viele dieser Priester gr├╝ndeten neue Gemeinschaften mit Gleichgesinnten, die von den Gl├Ąubigen Kl├Âster genannt wurden. Papst Gregor unterst├╝tzte den Bau von Kl├Âstern ├╝berall im christlichen Europa. In Teilen Europas waren sie die einzigen verbleibenden Zentren des Studiums und der Lehre. So wird z. B. irischen M├Ânchen zugute gehalten, dass ihre Kl├Âster Horte der Zivilisation gewesen seien. Sie zogen in andere Teile Europas aus, um dort zu lehren und das Interesse an Wissen und Bildung neu zu entfachen. Die meisten gelehrten M├Ąnner fanden sich in den Kl├Âstern, und oft waren nur sie in der Lage, staatliche Verwaltungsaufgaben zu erf├╝llen. Viele von ihnen wurden daher zu wichtigen Assistenten der K├Ânige. Mit der Zeit wurden die Kl├Âster, wie auch die katholische Kirche, durch die Schenkung von L├Ąndereien immer reicher. Verschiedene Orden mit unterschiedlicher Zielsetzung wurden gegr├╝ndet. Einige davon verblieben in der Zur├╝ckgezogenheit, andere bildeten Missionare aus, die in die Wildnis ausgesandt wurden, andere berieten die P├Ąpste in Fragen der Kirchendoktrin und wiederum andere verschrieben sich dem Dienst am N├Ąchsten, wie etwa in den Bereichen der Alten- und Krankenpflege und der Nothilfe.

Der Islam

Der Islam wurde im 7. Jahrhundert in Arabien von dem Propheten Mohammed gegr├╝ndet. Er verbreitete sich rasch und f├╝hrte zu einer gro├čen Eroberungsbewegung. Die politische Landkarte Nordafrikas, des Nahen Ostens und Zentralasiens ├Ąnderte sich beinahe ├╝ber Nacht. Ganz Nordafrika, die Iberische Halbinsel, der Nahe Osten, Kleinasien, Irak, Iran, Afghanistan, Teile von Indien, Pakistan und ein Teil Russlands traten dem Islam bei. W├Ąhrend der kurzen Zeit, in der das Islamische Reich vereint war, drohte es damit, der gesamten Welt seinen Glauben aufzuzwingen. Die Stabilit├Ąt und das wirtschaftliche Wachstum in der neuen islamischen Welt brachten weitaus fr├╝her Frieden und Wohlstand als dies in Westeuropa der Fall war. Die islamische Kultur ├╝bertraf sogar die der Byzantiner in den Bereichen Kunst, Wissenschaft, Medizin, Geografie, Handel und Philosophie.

Konflikte zwischen den Moslems und Christen f├╝hrten zu den Kreuzz├╝gen. Sie wurden von den Christen Westeuropas durchgef├╝hrt und verfolgten das Ziel, das Heilige Land in Pal├Ąstina zur├╝ckzuerobern.

Die Feudalzeit

Die vorherrschende wirtschaftliche und politische Struktur des Mittelalters war der Feudalismus. Dieses System entwickelte sich als Reaktion auf den Zusammenbruch der Zentralgewalt und das durch den Untergang des R├Âmischen Reiches verursachte Chaos. Eine Hierarchie m├Ąchtiger, durch einen Treueid verbundener M├Ąnner ersetzte das r├Âmische Gef├╝ge von Kaiser, Senat, Provinz, Stadt und Landkreis.

Der Lehnsvertrag

Der Feudalismus, das Lehnswesen, war eine Gesellschaftsform, die auf einer Vereinbarung zwischen zwei Adligen beruhte, einem Lehnsherrn und einem Vasallen. Der Vasall war seinem Herrn gegen├╝ber durch einen Eid zu Treue und Dienst verpflichtet. Die wichtigsten Pflichten bestanden gew├Âhnlich im Kriegsdienst (normalerweise bis zu 40 Tagen im Jahr), in der Bereitstellung von Soldaten f├╝r die Armee des Lehnsherrn und der Abgabe von Eink├╝nften. Der Lehnsherr seinerseits verpflichtete sich, seine Armee zum Schutz des Vasallen einzusetzen und ihm die Mittel f├╝r den Lebensunterhalt zur Verf├╝gung zu stellen. Der Vasall erhielt die Herrschaft ├╝ber ein Lehen, meist ein gro├čes Landgut. Das Lehen konnte aber auch in Form eines Amtes verliehen werden, wie Steuereintreiber, M├╝nzpr├Ąger, Zollbeamter oder eine andere Funktion, die Eink├╝nfte erbrachte. Ein Lehnsherr mit mehreren Vasallen verf├╝gte also ├╝ber eine best├Ąndige Einnahmequelle und eine Armee. Der Lehnsvertrag wurde auf Lebenszeit abgeschlossen. Der Lehnsherr konnte seinem Vasallen das Lehen wieder entziehen, wenn dieser seine Pflichten nicht erf├╝llte. Weitaus schwieriger war es f├╝r den Vasallen, sich von seinem Herrn zu l├Âsen. Im fr├╝hen Mittelalter waren Lehen nicht erblich, was f├╝r die Lehnsherren von Vorteil war. Je mehr Lehen ein Lehnsherr verleihen konnte, desto mehr w├╝rden sich seine Vasallen darum bem├╝hen. Mit fortschreitendem Mittelalter fanden die Vasallen jedoch M├Âglichkeiten, ihre Lehen erblich zu machen, so dass die Lehnsherren immer weniger Lehen zur Entlohnung besa├čen.

Nur Adlige und Ritter durften den Treueid leisten. In der Praxis waren die meisten Adligen sowohl Vasallen als auch Lehnsherren und standen im sozialen Gef├╝ge irgendwo zwischen dem K├Ânig und dem Ritter des untersten Ranges. Das Lehnswesen war jedoch nie sorgf├Ąltig strukturiert, und die Vasallen konnten m├Ąchtiger sein als die Herren. Die Herz├Âge der Normandie beispielsweise besa├čen mehr Macht als ihre Herren, die K├Ânige von Frankreich. Vasallen konnten mehreren Lehnsherren verpflichtet sein, was dann zu Schwierigkeiten f├╝hrte, wenn verschiedene Herren von dem Vasallen gleichzeitig einen Dienst forderten. Gew├Âhnlich erhielt der ├Ąlteste Lehnsherr den Vorzug. Die Adligen entdeckten au├čerdem, dass sie, sofern sie m├Ąchtig genug waren, die Regeln des Feudalismus brechen und ihre Nachbarn angreifen konnten, um das zu bekommen, was sie haben wollten. Derartige Privatfehden waren typisch f├╝r das gesamte Sp├Ątmittelalter.

Der Zerfall des Feudalsystems

Politische Ver├Ąnderungen

Zu Beginn des Sp├Ątmittelalters war Westeuropa in Lehnsg├╝ter unterschiedlichster Gr├Â├čen zersplittert. Die an der Spitze der Lehnshierarchie stehenden K├Ânige ├╝bten keine starke Zentralgewalt aus, und die einzelnen Nationen waren eher kulturelle als politische Einheiten. Gegen Ende des Sp├Ątmittelalters waren England, Spanien, Portugal und Frankreich unter der Kontrolle starker Zentralgewalten. In diesen Regionen war den Lehnsherren die politische Macht entzogen worden.

Nach seiner Eroberung des englischen Throns im Jahre 1067 schuf Wilhelm der Eroberer die erste starke europ├Ąische Monarchie. Nach seinem Sieg in Hastings und f├╝nf weiteren Jahren des Kampfes zur Niederschlagung des verbleibenden Widerstandes, unternahm er Schritte zur Konsolidierung seiner Macht. Er behielt ein Sechstel Englands als Eigentum der Monarchie. Die H├Ąlfte des verbleibenden Landes wurde normannischen Herz├Âgen als seinen direkt untergebenen Vasallen als Lehen verliehen. Ein Viertel des Landes erhielt die Kirche, und der Rest wurde unter den Angelsachsen aufgeteilt. Die gesamte Feudalgesellschaft musste ihm als Lehnsherrn die Treue schw├Âren. Er beanspruchte den Besitz s├Ąmtlicher Burgen, verhinderte Kriege zwischen den Lehnsherren und verf├╝gte, dass einzig und allein die k├Ânigliche W├Ąhrung erlaubt war. Dies waren erste wichtige Ma├čnahmen, die zum Niedergang des Feudalismus f├╝hrten, auch wenn sie nicht immer durchgesetzt werden konnten, besonders unter nachfolgenden, weniger starken K├Ânigen als Wilhelm.

Im 12. Jahrhundert richtete K├Ânig Heinrich II. von England einen Gerichtshof und die Rechenkammer ein und begr├╝ndete damit die Anf├Ąnge eines Staatsdienstes. Der Gerichtshof f├╝hrte Buch ├╝ber Gesetze und k├Ânigliche Transaktionen, die Rechenkammer war f├╝r die Finanzen zust├Ąndig. Beide ├ämter waren nicht vererbbar, so dass unbeliebte Beamte einfach abgesetzt werden konnten. Die Beamten dieses neuen Staatsdienstes erhielten an Stelle eines Lehens ein Gehalt und standen somit nur in Abh├Ąngigkeit zum K├Ânig.

1215 wurde der ungeliebte K├Ânig Johann I. von England gezwungen, die Magna Charta zu unterzeichnen. Dieses Dokument unterwarf den K├Ânig dem Gesetz des Landes und r├Ąumte den Herz├Âgen mittels eines Gro├čen Rates ein Mitspracherecht bei Entscheidungen des K├Ânigs ein. Der Wortlaut der Magna Charta f├╝hrte zu wichtigen Auslegungen in sp├Ąteren Jahrhunderten, einschlie├člich des Grundgedankens von "no taxation without representation", d. h. dass eine Besteuerung ohne Vertretung im Parlament nicht gestattet sein solle. Als ein sp├Ąterer englischer K├Ânig die Magna Charta missachtete, rissen 1264 die Herz├Âge die Macht an sich und regierten vor├╝bergehend mit Hilfe eines erweiterten Gro├čen Rates, der Parlament genannt wurde. Dem neuen Parlament geh├Ârten nicht nur Herz├Âge und hochrangige Kirchenm├Ąnner, sondern auch Vertreter der gro├čen St├Ądte an.

Auch wenn diese parlamentarische Regierung nur von kurzer Dauer war (15 Monate), konnte das Parlament selbst nicht mehr unterdr├╝ckt oder ├╝bergangen werden. Von dieser Zeit an war allein das Parlament berechtigt, von ihm beschlossene Gesetze wieder aufzuheben. Steuern konnten nur mit seiner Genehmigung auferlegt werden. Ben├Âtigten die K├Ânige kurzfristig Geld (wie etwa w├Ąhrend des Hundertj├Ąhrigen Krieges), so mussten sie als Gegenleistung h├Ąufig Teile ihrer Macht abtreten. Parlament und Staatsdienst gewannen an Bedeutung und bewiesen, dass sie, unabh├Ąngig von den F├Ąhigkeiten des jeweils amtierenden K├Ânigs oder von vor├╝bergehenden Aufst├Ąnden des Adels, das Land regieren konnten.

W├Ąhrend K├Ânig, Staatsdienst und Parlament die Macht der Herz├Âge von oben beschnitten, wurde gleichzeitig von der Basis der feudalen Hierarchie Druck nach oben ausge├╝bt. Mehrere Faktoren wirkten auf die Aufhebung der Leibeigenschaft hin, darunter die wachsenden Bev├Âlkerungszahlen in den St├Ądten, das Ende barbarischer ├ťberf├Ąlle und eine gef├Ąhrliche Seuche, die Europa im 14. Jahrhundert heimsuchte.

Der Schwarze Tod

Die Pest, die als Schwarzer Tod in die Geschichte einging, traf Europa ganz pl├Âtzlich und hatte verheerende Auswirkungen in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Sie verbreitete sich von Zentralasien aus Richtung Westen und trat 1346 am Schwarzen Meer auf. Von dort drang sie in s├╝dwestlicher Richtung bis zum Mittelmeer vor und dann weiter zur und um die Nordatlantikk├╝ste herum bis zur Ostsee. 1348 wurden Spanien und Portugal von der Pest heimgesucht, 1349 England und Irland, 1351 Schweden, 1353 das Baltikum und Russland. Nur entfernte und d├╝nn besiedelte Regionen blieben von ihr verschont. Modernen Sch├Ątzungen zufolge starb etwa ein Drittel bis die H├Ąlfte der Bev├Âlkerung Europas, des Nahen Ostens, Nordafrikas und Indiens an der Pest.

Die Pest war wahrscheinlich eine Erscheinungsform der Bubonenpest, einer bakteriellen Infektionskrankheit, die auch heute noch vorkommt und nach wie vor gef├Ąhrlich ist. Die Bakterien wurden ├╝ber den Speichel von Fl├Âhen, die das Blut infizierter Ratten gesaugt hatten, ├╝bertragen. Wenn die Ratten starben, sprangen die Fl├Âhe auf menschliche Wirte ├╝ber. Dadurch konnten sich die Bakterien rasch in der Blutbahn des menschlichen Organismus ausbreiten. Die Seuche erhielt ihren Namen aufgrund ihres ausgepr├Ągtesten und grausamsten Symptoms: gro├če schwarze und schmerzhafte Beulen, die Blut und Eiter absonderten. Weitere Krankheitserscheinungen waren hohes Fieber und Benommenheit. Die meisten Menschen, die von der Pest befallen wurden, starben innerhalb von 48 Stunden. Nur eine kleine Minderheit konnte die Krankheit besiegen und ├╝berlebte.

Ganze Landkreise wurden durch die Epidemie entv├Âlkert, und das soziale Gef├╝ge zwischen Leibeigenen und ihren Herren brach entzwei. Alle Menschen, die Land bebauen oder andere Arbeiten verrichten konnten, waren wertvoll. Die Besiedlung der St├Ądte beschleunigte sich, als die Seuche vor├╝ber war.

Karl der Gro├če

Im Verlauf des 7. und 8. Jahrhunderts konnten die Franken unter der Herrschaft verschiedener starker K├Ânige und Kriegsherren ihr K├Ânigreich auf dem Gebiet des heutigen Frankreich festigen. Im Jahre 732 besiegten sie ein moslemisches Heer, das von der Iberischen Halbinsel her in Frankreich einfiel. Um 750 drangen die Franken nach Italien vor, um Rom und den Papst vor den Angriffen der Langobarden zu retten. 768 wurde Karl der Gro├če zum K├Ânig der Franken erhoben und begann seine au├čergew├Âhnliche Regentschaft.

Karl der Gro├če kehrte 774 ├╝ber die Alpen nach Italien zur├╝ck und befreite den Papst ein weiteres Mal. Er war nun zugleich K├Ânig der Franken und der Langobarden und besa├č die eigentliche Macht ├╝ber Rom. Karl der Gro├če setzte seine Eroberungen fort und bekehrte seine Feinde dabei zum Christentum. S├╝dfrankreich und die n├Ârdlichen Teile Spaniens wurden von ihm annektiert. Er zog ins westliche Deutschland, bekehrte die Sachsen und vertrieb die Magyaren aus Ungarn. An den Grenzen gr├╝ndete er "Grenzmarken", Pufferstaaten zwischen dem fr├Ąnkischen Reich und den barbarischen St├Ąmmen im Osten. Am Weihnachtstag im Jahre 800 wurde Karl der Gro├če vom Papst zum Kaiser des Heiligen R├Âmischen Reichs gekr├Ânt.

Die Bedeutung Karls des Gro├čen geht ├╝ber die Entstehung und die Gr├Â├če des Heiligen R├Âmischen Reiches hinaus, das nach seinem Tod ohnehin auseinander fiel. Er unterst├╝tzte und verteidigte die katholische Kirche, mit deren Hilfe er auch Bildung und Kunst f├Ârderte. Kathedralen wurden zur Errichtung von Schulen verpflichtet, in denen Beamte und Adelige unterrichtet wurden. Ziel war es, Regierung und Verwaltung besser zu gestalten. Er trug Gesetze zusammen, lie├č sie schriftlich niederlegen und verbesserte damit das Rechtssystem. Er f├╝hrte das Feudalsystem ein, um die regionale Ordnung zu st├Ąrken und gleichzeitig an der zentralen Machtposition festhalten zu k├Ânnen.

Dennoch wurde das gro├če Versprechen, dass vom fr├Ąnkischen Reich ein Auferstehen Europas ausgehen sollte, schon nach kurzer Zeit gebrochen. Nach dem Tod von Karls Sohn wurde das Reich unter seinen Enkeln in drei Teile aufgeteilt. Der westliche Teil entwickelte sich sp├Ąter zum heutigen Frankreich. Aus dem ├Âstlichen Teil bildete sich Deutschland heran. Der mittlere Teil wurde von den nachfolgenden Generationen in den anderen beiden Gebieten bis ins 20. Jahrhundert hinein beansprucht. Ein dringenderes Problem stellten die ├ťberf├Ąlle der skandinavischen Wikinger dar, die Nordeuropa in den folgenden zwei Jahrhunderten in Atem hielten.

Waffen und Ausr├╝stung der Kavallerie

Seit um 1000 v. Chr. das erste Mal Kavallerie in Erscheinung getreten war, erf├╝llten berittene Truppen in der Schlacht wichtige Funktionen. Sie dienten als Sp├Ąher, K├Ąmpfer, Sto├čtruppen in Handgemengen, als Nachhut und zur Verfolgung des sich zur├╝ckziehenden Feindes. Je nach Ausr├╝stung und Ausbildung unterteilte sich die Kavallerie in verschiedene Kategorien, die f├╝r unterschiedliche Aufgaben eingesetzt wurden. Die leichte Kavallerie trug nur wenig oder gar keine R├╝stung und war am besten als Sp├Ąher, K├Ąmpfer oder Nachhut geeignet. Die schwere Kavallerie trug R├╝stung und diente als Angriffstruppe gegen den Feind. Alle Arten von Kavallerie konnten hervorragend zur Verfolgung des Feindes eingesetzt werden.

Die Ritter des Mittelalters geh├Ârten der schweren Kavallerie an. Ihr Ehrenkodex legte Wert auf ihre Rolle als Angriffstruppe gegen feindliche Kavallerie und Infanterie. Ab dem 13. Jahrhundert wurde von gewaffneten Soldaten gesprochen, um zu Pferd oder zu Fu├č k├Ąmpfende Krieger in R├╝stung zu beschreiben. Dieser neue Begriff bezog sich gleicherma├čen auf Ritter wie auf Knappen, Angeh├Ârige des niederen Adels und S├Âldner.

W├Ąhrend eines Kampfes waren die Ritter durch ihre Schnelligkeit, ihr einsch├╝chterndes Auftreten, ihre Kraft und ihre Gr├Â├če eindeutig im Vorteil. Im Laufe des Mittelalters verbesserte sich die Ausr├╝stung der Ritter, so dass diese ihren Vorteil gegen├╝ber anderen K├Ąmpfern noch weiter ausbauen konnten.

Waffen

Der Speer, und sp├Ąter dann die lange Lanze, waren die Waffen, mit denen die Kavallerie die Schlacht er├Âffnete. Diese Waffen waren hervorragend geeignet, um den zu Fu├č k├Ąmpfenden Gegnern, besonders den fl├╝chtenden, Stiche zu versetzen. Der Speer, den der Reiter vor sich hielt, verst├Ąrkte noch den bedrohlichen Anblick, den die angreifende Truppe bot. Ein gro├čer Teil der Kraft des Pferdes konnte im Moment des Zusto├čens auf die Speerspitze ├╝bertragen werden. Der angreifende Ritter wurde damit zu einer gewaltigen Waffe.

├ťber die Bedeutung des Steigb├╝gels f├╝r das Emporkommen der Ritter sind die Historiker sich nicht einig. Der Steigb├╝gel tauchte erstmals in Asien auf und gelangte im 8. Jahrhundert nach Europa. Manche nehmen an, dass der Steigb├╝gel f├╝r den Aufstieg der Ritter entscheidend war, denn er erm├Âglichte es dem Reiter, sich und seine Lanze abzust├╝tzen, so dass die gesamte Kraft des angreifenden Pferdes auf die Spitze der Lanze ├╝bertragen werden konnte. Der Vorteil dieser Kraft├╝bertragung ist unbestritten, jedoch wird auch angef├╝hrt, dass der Hochsattel, der zu Zeiten der R├Âmer entwickelt wurde, bereits jene Kraft├╝bertragung erm├Âglichte, bevor es den Steigb├╝gel gab. Der Wandteppich von Bayeux, der die Landung Wilhelms des Eroberers in England im Jahre 1066 darstellt, zeigt, dass die hoch angesehenen normannischen Ritter ihre Speere haupts├Ąchlich ├╝ber der Schulter ansetzten und als Sto├č- oder Wurfspeere einsetzten, nicht aber wie eine Lanze anlegten. Zu dieser Zeit war der Steigb├╝gel in Europa bereits seit mindestens zwei Jahrhunderten bekannt. Bis zum Ende des Mittelalters galt der berittene Angriff von Rittern mit angelegten Lanzen als Inbegriff des Ritterkampfes. Aber auch diese Kampftaktik erwies sich nicht immer als die richtige.

Der erste Angriff der Ritter endete meistens mit dem Verlust von Speer oder Lanze oder ging in ein allgemeines Handgemenge ├╝ber. In beiden F├Ąllen wichen die Ritter auf eine andere Waffe aus. F├╝r gew├Âhnlich war dies das Schwert. Das Schwert der Kavallerie entwickelte sich zum S├Ąbel mit einer breiten schweren Klinge, die ein in den B├╝geln stehender Reiter mit gewaltiger Kraft auf den Kopf oder den Oberk├Ârper seines Gegners schwingen konnte. Schwerter waren die bevorzugten Waffen der Ritter, da sie am K├Ârper getragen, zur Schau gestellt und personifiziert werden konnten. Im Nahkampf waren sie die am h├Ąufigsten eingesetzten Waffen. Da gute Schwerter sehr kostspielig waren, war der Besitz eines eigenen Schwertes meistens dem Adel vorbehalten.

Als weitere Nahkampfwaffen standen der Hammer und der Streitkolben  (Weiterentwicklungen des Kn├╝ppels), die Streitaxt und der Morgenstern zur Wahl. Hammer und Streitkolben wurden von k├Ąmpfenden Geistlichen und M├Ânchsrittern bevorzugt. Indem sie Waffen mit scharfen Kanten mieden, versuchten sie sich so an die Worte der Bibel zu halten und Blutvergie├čen zu vermeiden.

Niemals setzte ein Ritter Fernwaffen jeglicher Art ein. Den Feind aus der Entfernung mit einem Pfeil, einem Bolzen oder einer Kugel zu t├Âten, galt als unehrenhaft. Wenn immer es m├Âglich war, k├Ąmpften Ritter gegen ebenb├╝rtige, ihrem Rang entsprechende Gegner und t├Âteten diese von Angesicht zu Angesicht oder gar nicht.

R├╝stung

Gegen Ende des R├Âmischen Reiches trugen die R├Âmer und einige der eindringenden germanischen St├Ąmme, wie zum Beispiel die Goten, Kettenhemden. Das Kettenhemd blieb auch unter den europ├Ąischen Adligen im Mittelalter weit verbreitet, bis im 13. Jahrhundert der weitaus besser sch├╝tzende Panzermantel in Gebrauch kam. Der Wechsel vollzog sich unter anderem, weil ein Pfeil oder die scharfe Spitze eines Schwertes ein Kettenhemd durchl├Âchern konnten. Ein ├ťberwurf, Wappenrock genannt, wurde ├╝ber dem Kettenhemd getragen. Dieser Wappenrock wurde besonders h├Ąufig in den Kreuzz├╝gen getragen, um die Sonne zu reflektieren.

Die Helme entwickelten sich von einer einfachen, konischen Form ├╝ber gro├če Metallk├╝bel zu einem gro├čen, plastisch gearbeiteten Kopfschutz, an dem die Pfeile abprallen sollten. Sp├Ątere Helme konnten mit der am K├Ârper getragenen R├╝stung verbunden werden.

Im 14. Jahrhundert tauchten R├╝stungen f├╝r den ganzen K├Ârper auf, die bis zu 30 Kilogramm wogen. Die Metallr├╝stungen waren gut gearbeitet, und die Ritter verf├╝gten in ihnen ├╝ber eine erstaunliche Beweglichkeit. Ein zu Boden gefallener Ritter in R├╝stung war keineswegs hilflos und konnte leicht wieder aufstehen. Es gibt Berichte und Darstellungen von M├Ąnnern, die in R├╝stung einen Handstand und andere Gymnastik├╝bungen ausf├╝hrten. Bei der weiteren Entwicklung der R├╝stung wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass die R├╝stungen Geschosse abwehrten und die f├╝r Hiebe anf├Ąlligsten Stellen verst├Ąrkt wurden. Gegen Ende der Ritterzeit erschienen kunstvoll gearbeitete Ganzk├Ârperr├╝stungen, die jedoch eher bei zeremoniellen K├Ąmpfen und als Prestigeobjekte getragen wurden, als dass sie einen praktischen Zweck erf├╝llten.

F├╝r einen Ritter, der sich selbst und seinen Knappen ausstatten musste, war eine R├╝stung eine kostspielige Angelegenheit. Ein hoher Adliger hatte viele Ritter mit R├╝stungen zu versorgen. Die Herstellung von R├╝stungen war ein wichtiger Gesch├Ąftszweig, und im Mittelalter tat sich ein gro├čer Markt f├╝r gebrauchte R├╝stungen auf. Die auf der siegreichen Seite k├Ąmpfenden, einfachen Soldaten konnten ein Verm├Âgen damit machen, im Kampf gefallenen Rittern ihre R├╝stungen abzunehmen und zu verkaufen.

Pferde

Besonders stolz waren die Ritter auf ihre Pferde, bei deren Zucht viel Wert auf Schnelligkeit und St├Ąrke gelegt wurde. Dar├╝ber hinaus war eine gr├╝ndliche Ausbildung n├Âtig, um die Pferde bei Angriffen und Handgemengen einsetzen zu k├Ânnen. Die Pferde wurden so trainiert, dass sie beim Angriff kaum ├╝ber die Z├╝gel gelenkt werden mussten, so dass der Ritter seine H├Ąnde f├╝r Schild und Lanze frei hatte. Unter den Historikern herrscht Uneinigkeit dar├╝ber, ob die Ritter eher schwere Pferde ritten, die den Ritter in voller R├╝stung tragen konnten, oder ob kleineren Pferden aufgrund ihrer Schnelligkeit und Wendigkeit der Vorzug gegeben wurde.

Die Reitkunst war ein weiterer Punkt, durch den sich die Eliteritter von den Rittern niederen Ranges unterschieden. Reitkunst wurde auf der Jagd praktiziert, einer beliebten Freizeitbesch├Ąftigung des Adels, die auch heute noch in den traditionellen Fuchsjagden gepflegt wird.

Der Aufstieg der Ritter

Zur Zeit Karls des Gro├čen waren berittene Krieger die Eliteeinheiten der fr├Ąnkischen Armee. Diese Neuerung ├╝bertrug sich auf das ├╝brige Europa. Der Kampf zu Pferde war der glorreichste, weil der Krieger in die Schlacht reiten, sich schnell bewegen und niederrangige Gegner, die zu Fu├č k├Ąmpfen mussten, niedertrampeln konnte. Traf Kavallerie auf Kavallerie, so wirkten der Sturmangriff und die gewaltt├Ątigen Attacken auf die Reiter geradezu berauschend. Die Reiterei hatte den h├Âchsten Stellenwert, da Pferde, Waffen und R├╝stung sehr kostspielig waren. Nur Wohlhabende oder Gefolgsleute der Reichen konnten sich den Kampf zu Pferde leisten. 

K├Ânige der ausgehenden Dunklen Zeit hatten nicht die erforderlichen Mittel, um gr├Â├čere Kontingente der teuren Kavallerie zu unterhalten. Krieger wurden zu Vasallen und erhielten Lehen. Von den Gewinnen, die sie durch das Land erwirtschafteten, mussten sie Pferde und Ausr├╝stung bezahlen. In den meisten F├Ąllen unterst├╝tzten die Vasallen auch S├Âldnertruppen. Zu einer Zeit, als die Zentralgewalt schwach und Verbindungswege schlecht ausgebaut waren, war der Vasall, unterst├╝tzt von seiner Gefolgschaft, f├╝r Recht und Ordnung innerhalb seines Lehnsgutes verantwortlich. Durch Annahme des Lehens erkl├Ąrte sich der Vasall bereit, f├╝r seinen Herren den Waffendienst zu leisten. Auf diese Weise waren der hohe Adel und K├Ânige in der Lage, Armeen aufzubauen, wenn sie sie ben├Âtigten. Die Eliteeinheiten dieser Armeen waren die berittenen Vasallen.

Im Laufe des Mittelalters wurden diese berittenen Eliteeinheiten Westeuropas Ritter genannt. Ein Verhaltenskodex, der als Rittertum bezeichnet wurde, entwickelte sich. Er zeigte in allen Einzelheiten auf, wie ein Ritter zu leben hatte. Die Ehre des Ritters stand ├╝ber allem, sowohl in Kriegs- als auch in Friedenszeiten. Dies traf allerdings in erster Linie auf das Verh├Ąltnis zu seinem Herren und nicht zum gemeinen Volk und den Bauern zu, die die Mehrheit der Bev├Âlkerung ausmachten. Die Ritter wurden zur herrschenden Klasse, die das Land ├╝berwachten, dem aller Reichtum zu verdanken war. Die Aristokraten waren zun├Ąchst adlig aufgrund ihres Ranges und ihres Ansehens als beste Krieger in einer gewaltt├Ątigen Welt. Im Laufe der Zeit wurden Status und Ansehen erblich, und die Bedeutung des Kriegers verlor an Gewicht.

Das Rittertum

Als die Bezeichnung "Rittertum" zum ersten Mal auftrat, wurde damit die Reitkunst bezeichnet. Die Kriegerelite des Mittelalters unterschied sich von den Bauern, dem Klerus und allen anderen durch ihre F├Ąhigkeiten als Reiter und Krieger. Schnelle und starke Pferde, sch├Âne und schlagkr├Ąftige Waffen sowie gute R├╝stungen waren die Statussymbole jener Tage.

Im 12. Jahrhundert hatte sich die Vorstellung von Rittertum auf die gesamte Lebensform ausgeweitet. Die Grundprinzipien ritterlicher Lebensart waren:

* Schutz der Frauen und Schwachen

* Eintreten f├╝r Gerechtigkeit gegen Unrecht und ├ťbel

* Liebe zum Vaterland

* Verteidigung der Kirche unter Einsatz des eigenen Lebens.

Die Praxis zeigte, dass Ritter und Adlige den Ehrenkodex nicht beachteten, wenn er ihnen nicht passte. Fehden zwischen Adligen und K├Ąmpfe um Land waren weitaus wichtiger als s├Ąmtliche Verhaltensregeln. Die germanische Stammessitte, der zufolge der Besitz des ├ältesten unter seinen S├Âhnen aufgeteilt wurde statt nur an den ├Ąltesten Sohn zu gehen, f├╝hrte nicht selten zu Kriegen unter den S├Âhnen, die den Besitz f├╝r sich alleine beanspruchen wollten. Ein Beispiel daf├╝r ist der Streit zwischen den Enkels├Âhnen Karls des Gro├čen. Das Mittelalter war gekennzeichnet von derartigen Privatfehden, in denen in aller Regel die Bauern die gro├čen Verlierer waren.

Im sp├Ąten Mittelalter schufen die K├Ânige Ritterorden. Dies waren exklusive Vereinigungen von hochrangigen Rittern, die ihrem K├Ânig und einander die Treue schworen. Mitglied eines Ritterordens zu werden, hatte einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert und kennzeichnete den Mann als einen der bedeutendsten des Reiches. Im Jahre 1347, w├Ąhrend des Hundertj├Ąhrigen Krieges, gr├╝ndete Eduard III. von England den Orden vom Hosenband, der auch heute noch existiert. Diesem Orden geh├Ârten 25 der h├Âchstrangigen Ritter Englands an, die dem K├Ânig Loyalit├Ąt und Siegeswillen im Krieg sichern sollten.

Der Orden vom Goldenen Vlies wurde 1430 von Philipp dem Guten von Burgund gegr├╝ndet und entwickelte sich zum reichsten und m├Ąchtigsten Orden in Europa. Ludwig XI. von Frankreich stiftete den Orden des Heiligen. Michael, um seine einflussreichsten Adligen zu kontrollieren. Die Orden von Calatrava, Santiago und Alcantara wurden gegr├╝ndet, um die Mauren aus Spanien zu vertreiben. Unter Ferdinand II. von Aragonien, dessen Ehe mit Isabella von Kastilien die Grundlage f├╝r ein gesamtes spanisches K├Ânigreich legte, wurden sie vereinigt. Er wurde schlie├člich Gro├čmeister ├╝ber diese drei Orden, die jedoch eigenst├Ąndig blieben.

Aufnahme in den Ritterstand

Im Alter von 7 oder 8 Jahren wurden die Knaben des Adels als Pagen an den Hof eines hohen Adligen gesandt. Pagen wurden von den Frauen am Hofe des Herren in den grundlegenden gesellschaftlichen Pflichten unterrichtet und begannen damit, den Umgang mit Waffen und Pferden zu erlernen. Mit etwa 14 Jahren wurden die Jungen zu Knappen, d. h. zu Anw├Ąrtern auf den Ritterstand. Knappen wurden einem Ritter zugeteilt, der sich weiter um die Erziehung der Jungen k├╝mmerte. Der Knappe war Begleiter und Diener eines Ritters. Seine Pflichten bestanden darin, die rostanf├Ąllige R├╝stung und die Waffen des Herrn zu warten, dem Ritter beim An- und Auskleiden zu helfen, auf dessen Hab und Gut zu achten und vor seiner T├╝r als Wache zu schlafen.

Bei Turnieren und in der Schlacht stand der Knappe seinem Ritter zur Seite. Er brachte ihm Ersatzwaffen und -pferde, behandelte die Wunden, brachte den verwundeten Ritter aus der Gefahrenzone oder k├╝mmerte sich um eine standesgem├Ą├če Beisetzung, wenn dies n├Âtig wurde. In vielen F├Ąllen zog der Knappe mit seinem Ritter in die Schlacht und k├Ąmpfte mit ihm Seite an Seite. Ein Ritter vermied es, gegen einen Knappen der gegnerischen Seite zu k├Ąmpfen und zog nach M├Âglichkeit einen Ritter gleichen oder h├Âheren Ranges vor. Knappen dagegen suchten den Kampf gegen einen feindlichen Ritter, um Ruhm und Ehre durch das T├Âten oder die Gefangennahme eines hochrangigen Ritters zu erlangen.

Neben der milit├Ąrischen Ausbildung entwickelten die Knappen sich durch Spiele weiter, sie lernten zu lesen, manchmal sogar zu schreiben und widmeten sich Musik, Tanz und Gesang.

Im Alter von 21 Jahren war ein Knappe berechtigt, die Ritterweihe zu empfangen. Geeignete Kandidaten, auch als Novizen bezeichnet, wurden von den Burgherren oder einem anderen hochrangigen Ritter in den Ritterstand erhoben. Die Zeremonie der Ritterweihe war zun├Ąchst sehr einfach. Gew├Âhnlich wurde der zuk├╝nftige Ritter mit einem Schwert auf seiner Schulter ber├╝hrt, d. h. "zum Ritter geschlagen", anschlie├čend wurde ihm der Schwertg├╝rtel umgeschnallt. Im Laufe der Zeit wurde die Zeremonie immer aufwendiger, und auch die Kirche nahm einen Platz in dem Ritus ein. Die Novizen mussten ein reinigendes Bad nehmen, ihr Haar wurde geschnitten, und sie mussten die ganze Nacht im Gebet wachen. Am n├Ąchsten Morgen wurden ihnen dann das Schwert und die Sporen verliehen.

Der Ritterstand konnte normalerweise nur von denen erlangt werden, die Land oder Mittel besa├čen, um den Pflichten nachkommen zu k├Ânnen, die von diesem Rang erwartet wurden. Bedeutende F├╝rsten und Bisch├Âfe waren jedoch in der Lage, ein ansehnliches Kontingent an Rittern zu unterhalten, so dass viele auf diese Weise die Ritterw├╝rde erlangten. Knappen, die sich im Kampf besonders bew├Ąhrten, konnten von einem hohen Adligen auch w├Ąhrend einer Schlacht bef├Ârdert und auf dem Schlachtfeld zum Ritter geschlagen werden.

Turniere

Schauk├Ąmpfe zwischen Rittern - Turniere genannt - traten im 10. Jahrhundert auf. Sie wurden auf dem zweiten Laterankonzil unter Papst Innozenz II. sowie von den europ├Ąischen K├Ânigen ge├Ąchtet, die diese, ihrer Meinung nach "frivolen Spielereien" verurteilten, da immer wieder Ritter verwundet oder get├Âtet wurden. Turniere erfreuten sich jedoch zunehmender Beliebtheit und wurden zu einem festen Bestandteil des ritterlichen Lebens.

Turniere begannen als einfache Wettk├Ąmpfe zwischen einzelnen Rittern, wurden jedoch im Laufe der Jahrhunderte immer ausgefeilter. Sie wurden zu bedeutenden gesellschaftlichen Ereignissen, die G├Ąste und Teilnehmer aus der Ferne anzogen. Spezielle Schranken (Turnieranlagen) mit Trib├╝nen f├╝r die Zuschauer und Zelten f├╝r die Wettkampfteilnehmer wurden aufgebaut. Die Ritter traten weiterhin allein im Wettbewerb auf, zus├Ątzlich aber auch in Mannschaften. Sie duellierten sich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Waffen und f├╝hrten Massenschauk├Ąmpfe mit ganzen Ritterverb├Ąnden auf jeder Seite aus. Berittene Kampfspiele, auch Tjost genannt, bei denen zwei aufeinander zust├╝rmende Ritter einander mit Lanzen bek├Ąmpften, wurden zur Hauptattraktion. Ritter k├Ąmpften, wie heutzutage die Athleten, um Preise, Ruhm und die Blicke der Damen, die von den Trib├╝nen aus das Geschehen verfolgten.

In den Turnieren des 13. Jahrhunderts starben so viele M├Ąnner, dass die Herrschenden einschlie├člich des Papstes alarmiert waren. 60 Ritter starben beispielsweise bei einem Turnier, das 1240 in K├Âln stattfand. Der Papst wollte, dass m├Âglichst viele Ritter f├╝r die Kreuzz├╝ge ins Heilige Land zur Verf├╝gung standen und die M├Ąnner nicht in Turnieren verlieren. Als Folge wurden die Waffen stumpf gemacht und Regeln eingef├╝hrt, um Verwundungen zu vermeiden. Doch ernste und t├Âdliche Verletzungen blieben nicht aus. So wurde z. B. Heinrich II. von Frankreich in einem Zweikampf anl├Ąsslich der Verm├Ąhlung seiner Tochter t├Âdlich verwundet.

Gew├Âhnlich wurde zu einem freundschaftlichen Kr├Ąftevergleich aufgerufen, doch waren die Gegner untereinander verfeindet, so konnte der Kampf einen t├Âdlichen Ausgang haben. Die Besiegten in einem Turnier wurden gefangen genommen und zahlten den Siegern f├╝r ihre Freilassung ein L├Âsegeld in Form von Pferden, Waffen oder R├╝stung. Die Herolde registrierten die Turnierergebnisse wie heutzutage Spielst├Ąnde im Fu├čball. Ein Ritter niedrigen Ranges konnte seinen Reichtum durch Preise vermehren oder das Herz einer wohlhabenden Dame erobern.

Ritterorden

W├Ąhrend der Kreuzz├╝ge wurden milit├Ąrische Ritterorden ins Leben gerufen, um die Ziele des Christentums in der Kreuzzugsbewegung zu unterst├╝tzen. Sie wurden zu den entschlossensten Kreuzfahrern und den meistgehassten Feinden der Araber. Die Orden blieben bestehen, nachdem die Kreuzz├╝ge in Pal├Ąstina mit Niederlagen geendet hatten.

Der erste dieser Orden waren der so genannte Templerorden, auch Templer genannt, der 1108 gegr├╝ndet wurde, um das Heilige Grab in Jerusalem zu besch├╝tzen. Die Templer trugen einen wei├čen Umhang mit einem roten Kreuz und gelobten dieselben Tugenden wie ein Benediktinerm├Ânch: Armut, Keuschheit und Gehorsam. Die Templer z├Ąhlten zu den tapfersten Verteidigern des Heiligen Landes. Sie waren die letzten Kreuzfahrer, die das Heilige Land verlie├čen. In den darauf folgenden Jahren wurden sie durch Schenkungen und den Geldverleih gegen Zinsen zu einem sehr reichen Orden, was ihnen den Neid und das Misstrauen des K├Ânigs eintrug. 1307 klagte Philipp IV. von Frankreich sie wegen mehrerer Verbrechen einschlie├člich der Ketzerei an, lie├č sie gefangen nehmen und nahm ihnen ihr Land ab. Andere europ├Ąische Herrscher folgten diesem Beispiel, so dass der Templerorden zerst├Ârt wurde.

Der Ritterorden des Heiligen Johannes von Jerusalem, die Johanniter (oder auch Hospitalliter), hatte urspr├╝nglich das Ziel, sich um die Kranken und Armen zu k├╝mmern, die zum Heiligen Grab pilgerten. Rasch vollzog sich jedoch der Wandel zu einem milit├Ąrischen Orden. Seine Mitglieder trugen rote Umh├Ąnge mit einem wei├čen Kreuz und legten ebenfalls das Gel├╝bde des Heiligen Benedikt ab. Die Johanniter stellten hohe Anforderungen an sich selbst und lie├čen nicht zu, dass ihr Orden reich wurde oder in Tr├Ągheit verfiel. Als sie durch die Eroberung ihrer gro├čen Burg, der Krak des Chevaliers, gezwungen waren, das Heilige Land zu verlassen, zogen sie sich auf die Insel Rhodos zur├╝ck, die sie ├╝ber viele Jahre hinweg verteidigten. Nach ihrer Vertreibung von Rhodos durch die T├╝rken lie├čen sie sich auf Malta nieder.

Der dritte gro├če Milit├Ąrorden war der Deutschritterorden bzw. Deutschherrenorden, der 1190 ins Leben gerufen wurde, um die deutschen Pilger im Heiligen Land zu besch├╝tzen. Doch noch vor dem Ende der Kreuzz├╝ge hatten sie sich auf die Bekehrung der Heiden in Preu├čen und im Baltikum konzentriert.

Heraldik

Um die Ritter auf dem Schlachtfeld voneinander unterscheiden zu k├Ânnen, wurde ein System von Abzeichen entwickelt, das mit dem Begriff Heraldik bezeichnet wurde. F├╝r jeden Adligen wurde ein eigenes Zeichen entworfen, das auf dessen Schild, Gewand, Banner und in seinem Siegel abgebildet wurde. Ein Gewand, das mit dem Zeichen des Ritters geschm├╝ckt war, wurde als Wappen bezeichnet, und dieser Terminus wurde zur Bezeichnung des Zeichens selber ├╝bernommen. Eine unabh├Ąngige Organisation, das College of Heralds, entwarf die einzelnen Wappen und garantierte so die Einmaligkeit eines jeden. Die Wappen wurden von den Herolden in speziellen B├╝chern, f├╝r die sie Sorge trugen, registriert.

Wappen wurden an die nachfolgenden Generationen weitergegeben und bei Eheschlie├čungen ver├Ąndert. Bestimmte Symbole waren den K├Ânigt├╝mern in verschiedenen L├Ąndern vorbehalten. Im Sp├Ątmittelalter wurde auch den St├Ądten, Gilden sowie angesehenen nichtadligen B├╝rgern einer Stadt die F├╝hrung eines Wappens gew├Ąhrt.

Auf dem Schlachtfeld trugen die Krieger Wappen, um Freund und Feind voneinander unterscheiden und einen ebenb├╝rtigen Gegner f├╝r einen Zweikampf ausw├Ąhlen zu k├Ânnen. Anhand der Wappen fertigten die Herolde Listen der in den Kampf ziehenden Ritter an. Herolde wurden als neutrale Beobachter behandelt, die auch als Vermittler zwischen zwei Armeen dienten. So konnten sie Nachrichten zwischen den Verteidigern einer Burg oder einer Stadt und den Belagerern ├╝berbringen. Nach einer Schlacht identifizierten die Herolde die Gefallenen mittels ihrer Wappen.

Die Kreuzz├╝ge

Pilgerfahrten zu den heiligen St├Ątten erfreuten sich jahrhundertelang gro├čer Beliebtheit unter den Christen des europ├Ąischen Kontinents. Es gab bedeutende Zentren der christlichen Religion in Europa, doch von gr├Â├čter Bedeutung war das Heilige Land in Pal├Ąstina. Der Aufstand der Seldschuken machte das Reisen nach Jerusalem und zu anderen religi├Âsen St├Ątten des Nahen Ostens jedoch sehr viel gef├Ąhrlicher. Die T├╝rken konnten wenig mit den Menschen anfangen, die nicht ihrer Religion angeh├Ârten, und beendeten die bis dahin recht friedlichen Beziehungen zwischen Moslems und Christen. Zur gleichen Zeit ├╝bten die T├╝rken erheblichen Druck auf Byzanz aus, indem sie wichtige Gebiete in Kleinasien eroberten. Daraufhin rief Papst Urban zum Kreuzzug der christlichen Krieger und zur Befreiung Pal├Ąstinas von den Muselmanen auf.

Der Aufruf zum Kreuzzug rief eine spontane Begeisterung unter den europ├Ąischen Rittern hervor. Sie waren tiefgl├Ąubig, und der Papst versprach eine Belohnung im Himmel f├╝r alle, die im Dienste der Sache sterben sollten. Von ebenso gro├čer oder sogar gr├Â├čerer Bedeutung war aber auch die Aussicht darauf, Land und Reicht├╝mer in fernen L├Ąndern zu erlangen, statt weiterhin die Privatfehden mit Verwandten und Nachbarn auszutragen.

Im Jahre 1097 hatte sich eine Armee von 30.000 Mann einschlie├člich vieler Pilger und Bediensteter von Konstantinopel aus auf den Weg nach Kleinasien gemacht. Ungeachtet der Fehden zwischen den Anf├╝hrern und der falschen Versprechungen, die den Kreuzrittern von ihren byzantinischen Kampfgenossen gemacht worden waren, kam der Kreuzzug - wenn auch schleppend - voran. Aber auch die T├╝rken waren nur schlecht organisiert, wenn nicht sogar schlechter. Die fr├Ąnkischen Ritter und die Infanterie hatten keine Erfahrung im Kampf gegen die arabische leichte Kavallerie und ihre Bogensch├╝tzen, und umgekehrt war es ebenso. Die Ausdauer und St├Ąrke der Ritter waren es, die nach einer Reihe von sehr knappen Entscheidungen zum endg├╝ltigen Sieg f├╝hrten. Antiochia wurde 1098 durch einen Verrat eingenommen, Jerusalem 1099 in einem Sturmangriff gegen eine geschw├Ąchte Garnison erobert. Die Christen verrieten nach den beiden Siegen jedoch ihre hehren Ziele, indem sie viele der Bewohner ungeachtet ihres Alters, ihrer Religion oder ihres Geschlechts niedermetzelten. Viele der Kreuzfahrer kehrten nach Hause zur├╝ck, doch ein harter Kern blieb vor Ort, um feudale K├Ânigreiche nach europ├Ąischem Vorbild zu errichten.

Die neuen Herren ├╝ber Pal├Ąstina waren gegen├╝ber der moslemischen Bev├Âlkerung, ├╝ber die sie herrschen wollten, in der Minderzahl. Daher errichteten sie Burgen und heuerten S├Âldnertruppen zu ihrer Unterst├╝tzung an. Die fr├Ąnkische Kultur und Religion jedoch waren f├╝r die Bewohner dieser Region viel zu fremdartig, um angenommen zu werden. Aus dem Schutz ihrer Burgen heraus versuchten die Kreuzritter, den ├ťberf├Ąllen der Araber Einhalt zu gebieten. Mehr als ein Jahrhundert lang bek├Ąmpften sie sich in einem klassischen Guerillakrieg. Die fr├Ąnkischen Ritter waren stark aber langsam. Die Araber waren nicht in der Lage, den Angriffen der schweren Kavallerie standzuhalten, doch sie konnten diese einkreisen, in der Hoffnung, ihre Einheiten dadurch zu schw├Ąchen und sie anschlie├čend in einem Hinterhalt zu ├╝berw├Ąltigen. Die K├Ânigreiche der Kreuzritter hielten sich vornehmlich an der K├╝ste, wo die Versorgung mit Vorr├Ąten und die Verst├Ąrkung der Truppen am einfachsten war. Die st├Ąndig wiederkehrenden ├ťberf├Ąlle der Araber und die Unzufriedenheit der Bev├Âlkerung lie├čen jedoch keine wirtschaftlichen Erfolge zu.

Christliche M├Ânchsritterorden wurden gegr├╝ndet, um f├╝r das Heilige Land zu k├Ąmpfen. Die Templerritter und Johanniter kamen vornehmlich aus Franken. Die Deutschritter waren Deutsche. Von allen Kreuzrittern waren sie am meisten gef├╝rchtet und von wilder Entschlossenheit gepr├Ągt, doch es waren niemals genug, um die Region sicher zu machen.

Die Kreuzritterstaaten konnten eine Weile ├╝berleben, nicht zuletzt weil es ihnen gelang, Verhandlungen zu f├╝hren, Kompromisse zu schlie├čen und die verschiedenen arabischen Gruppierungen gegeneinander auszuspielen. Es trat jedoch ein gro├čer arabischer F├╝hrer auf, der die zahlreichen islamischen Gruppen verb├╝ndete. Saladin wurde 1174 Sultan von ├ägypten und Syrien. 1187 gelang ihm in der W├╝ste ein gro├čer Sieg ├╝ber die Kreuzritter, und Jerusalem konnte zur├╝ckerobert werden.

Noch ein weiteres Jahrhundert lang unternahmen die Europ├Ąer zahlreiche Anstrengungen, um die Herrschaft ├╝ber das Heilige Land und Jerusalem wiederherzustellen, doch waren ihre Bem├╝hungen nur selten und dann nur von kurzem Erfolg gekr├Ânt. Acht weitere Kreuzz├╝ge folgten, und bei den meisten kamen die Einheiten kaum dar├╝ber hinaus, an Land zu gehen, ein wenig ins Landesinnere vorzudringen, um dann wieder zur├╝ckgesto├čen zu werden. Der Vierte Kreuzzug erreichte Pal├Ąstina nicht einmal. Stattdessen wurde unter der F├╝hrung des Dogen von Venedig Konstantinopel gepl├╝ndert, ein Schlag, von dem sich Byzanz nie wieder erholen sollte. Einer der grausamsten Kreuzz├╝ge war ein Kinder-Kreuzzug, zu dem im Jahre 1212 aufgerufen wurde. Mehrere tausend europ├Ąische Kinder kamen bis nach Alexandria in ├ägypten, wo sie als Sklaven verkauft wurden.

Das Verm├Ąchtnis der Kreuzz├╝ge bestand in einer neuen Feindschaft zwischen Christen und Moslems, einem Verfall des Feudalsystems und der Konfrontation mit neuen Kulturen. Der Feudalismus ging zugrunde, weil viele Lehnsherren Bankrott gingen und ihre L├Ąndereien ihren K├Ânigen ├╝berlassen mussten. Viele Leibeigene wurden zu Kreuzfahrern und kehrten niemals zur├╝ck. Neue W├Ârter, wie das englische Wort f├╝r Baumwolle "cotton", Musselin, Diwan und Basar, drangen in die europ├Ąischen Sprachen ein. Die Europ├Ąer brachten neue Stoffe, Lebensmittel und Gew├╝rze mit nach Hause. Die Nachfrage nach diesen neuen Waren lie├č den Handel florieren und trug zum Aufstieg der italienischen Handelsst├Ądte, insbesondere von Genua und Venedig bei. Diese Nachfrage war ebenso der Ansto├č f├╝r das gro├če Zeitalter der Entdeckungen, das im 14. Jahrhundert begann. Die mitgebrachten Kostbarkeiten f├╝hrten zu einer Vermehrung der inl├Ąndischen Geldmengen und trugen damit zum wirtschaftlichen Wachstum bei.

Technologie

Bis zum sp├Ąten Mittelalter hatte die europ├Ąische Wissenschaft die Antike nicht nur eingeholt, sondern sie bereits ├╝berholt. Die Menschen interessierten sich mehr f├╝r die praktische Seite der Technologie und weniger f├╝r die theoretische. Sie suchten nach neuen Wegen, sowohl um ihr Leben bequemer zu gestalten, als auch um Fortschritte in der Wirtschaft zu erzielen. Da sie mehr Freizeit und somit mehr Zeit zum Nachdenken hatten, wollten sie die Natur verstehen lernen.

Das mathematische und wissenschaftliche Grundwissen wurde von den auf der Iberischen Halbinsel und in Sizilien lebenden Arabern erworben, als die Christen diese Gebiete zur├╝ckeroberten. Seit dem fr├╝hen Mittelalter hatten sich die Araber intensiv mit der Antike und den neuen, aus Asien kommenden Ideen besch├Ąftigt. Von den Arabern wurden sowohl die heute noch verwendeten arabischen Ziffern als auch die aus Indien stammende Vorstellung einer Zahl Null ├╝berliefert.

In dem Bestreben die Naturgesetze zu verstehen, begannen die Menschen mit praktischen Experimenten, durch die sie Gesetze der Logik verstehen lernen wollten. Beobachtung, Experimente und empirische (z├Ąhlbare) Untersuchungen wurden als M├Âglichkeiten erkannt, um Theorien zu untermauern und zu beweisen. Daraus entwickelte sich die wissenschaftliche Methode der sp├Ąteren Renaissance, die die Grundlage der modernen, wissenschaftlichen Forschungsarbeit bildet. Schon die antiken Griechen hatten diese wissenschaftliche Methode entworfen, aber sie fiel in Ungnade und geriet in Vergessenheit.

Das sp├Ąte Mittelalter

Die Dunkle Zeit war von einem ganz Europa erfassenden Chaos und der Abl├Âsung der bis dahin vorherrschenden r├Âmischen Kultur durch die Kultur der germanischen St├Ąmme gepr├Ągt. 500 Jahre lang hatte Europa immer wieder unter Invasionen und Kriegen zu leiden. Das Leben eines durchschnittlichen Bauern war jedoch nur wenig davon betroffen. Gesellschaftliche Stabilit├Ąt und Kultur erholten sich allm├Ąhlich, wenngleich mit neuem Gesicht. Etwa um das Jahr 1.000 begr├╝ndeten die Europ├Ąer eine neue mittelalterliche Kultur, die die Antike in beinahe jeder Hinsicht hinter sich lie├č.

Das Aufkommen des Schie├čpulvers

Den Chinesen war das Schie├čpulver bereits im 11. Jahrhundert bekannt. Sie setzten es in begrenztem Ma├če zu milit├Ąrischen Zwecken ein, indem sie es als Sprengstoff f├╝r Raketen nutzten. Diese Raketen dienten jedoch mehr der Abschreckung denn als wirkungsvolle Schusswaffen. Auch mit Feuerwerksk├Ârpern experimentierten die Chinesen, doch das Potential des Schie├čpulvers als Sprengstoff oder Ausl├Âser f├╝r Schusswaffen erkannten sie noch nicht.

Im Laufe der Zeit fand das Schie├čpulver den Weg in den Westen, wo die Europ├Ąer weitaus zerst├Ârerischere Einsatzm├Âglichkeiten entdeckten. Das ├Ąlteste, noch erhaltene europ├Ąische Kunstwerk, das eine Schusswaffe darstellt, stammt aus dem Jahr 1326. Die dort abgebildete primitive Kanone wurde nicht mit einer Kanonenkugel, sondern mit einer Art Speer geladen. Die Europ├Ąer hatten im vorangegangenen halben Jahrhundert mit Schie├čpulver experimentiert. Die ├Ąlteste, noch erhaltene Formel f├╝r die Herstellung von Schie├čpulver ist aus dem Jahre 1260 ├╝berliefert und wird einem englischen M├Ânch namens Roger Bacon zugeschrieben. Bis 1340 wurden Kanonenkugeln aus Blei, Eisen und Stein verwendet. Zwar hatten die Engl├Ąnder in der Schlacht von Cr├ęcy im Jahre 1346 Kanonen im Einsatz, doch ihre Wirksamkeit wird in den Schlachtberichten mit keinem Wort erw├Ąhnt.

Kanonen

Bevor Waffen mit Schie├čpulver sinnvoll eingesetzt werden konnten, waren einige Jahrhunderte des Experimentierens vergangen. Ein Problem bestand darin, ein Schie├čpulver herzustellen, das schnell, gleichm├Ą├čig und kraftvoll z├╝ndete. Eine andere Schwierigkeit war, Kanonen so zu fertigen, dass sie dem Druck der Z├╝ndung standhielten und nicht zerbarsten. Die Fertigungstechniken waren lange Zeit nicht richtig ausgereift, so dass es beinahe ebenso gef├Ąhrlich war, eine der damaligen Kanonen zu z├╝nden, wie von ihr getroffen zu werden. K├Ânig James II. von Schottland, zum Beispiel, wurde im Jahre 1460 von einer explodierenden Kanone get├Âtet.

Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts hatte die Technologie der Kanonen und des Schie├čpulvers derartige Fortschritte gemacht, dass ihre Bedeutung als gef├Ąhrliche Waffen anerkannt wurde. Deutlich wurde dies im Jahre 1453, als von gro├čen Belagerungsgeschossen massive Kanonenkugeln aus Stein auf die Mauern Konstantinopels abgefeuert wurden. Auch wenn der Fall Konstantinopels durch ein kleines, offen gelassenes Tor ausgel├Âst worden ist, so h├Ątte auch die weitere Bombardierung letztendlich einen direkten Angriff erm├Âglicht.

Im Mittelalter wurden Kanonen einerseits bei Belagerungen eingesetzt, um Mauern zu Fall zu bringen, andererseits auf dem Schlachtfeld, um in die massierten Reihen des Feindes zu feuern. Die Erfahrung, dass senkrecht gebaute Mauern leicht von Kanonen durchschlagen werden konnten, f├╝hrte zu einer Reihe von Weiterentwicklungen im Burgenbau. Die hohen und senkrechten Mauern wurden durch niedrige, geneigte Mauern ersetzt. Aufgrund des immensen Gewichtes und der schlechten Beweglichkeit war der Einsatz von Kanonen auf dem Schlachtfeld seinerzeit jedoch noch stark eingeschr├Ąnkt.

Handfeuerwaffen

Zeichnungen von Handfeuerwaffen erschienen um 1350. Es handelte sich dabei um primitive Waffen, die aus einem Hohlrohr bestanden, das an einem Ende mit einer Art Pfropfen verschlossen war. In der N├Ąhe des verschlossenen Endes befand sich seitlich ein Loch zur Z├╝ndung des Pulvers. Eine langsame z├╝ndende Lunte (eine langsam brennende Schnur) wurde in das Z├╝ndloch gesteckt, um die Kugel, die zuvor in den Lauf geladen worden war, abzufeuern. Mit den fr├╝hen Handfeuerwaffen konnte noch nicht richtig gezielt werden. Sie waren nur wirksam, wenn sie von vielen M├Ąnnern in Salven auf gro├čfl├Ąchige Ziele abgefeuert wurden. Bis 1450 hatten sich Handfeuerwaffen in fast allen modernen europ├Ąischen Heeren durchgesetzt. Jedoch blieben bis ins 16. Jahrhundert auch B├Âgen und Armbr├╝ste weiterhin im Einsatz der Infanterie, da sie nach wie vor sehr effektiv und weniger kostspielig waren.

Die Renaissance

Beginnend im 14. Jahrhundert in Italien erlebte Europa einen mehr als 400 Jahre andauernden allm├Ąhlichen ├ťbergang von der mittelalterlichen zur neuzeitlichen Epoche, der heute mit dem Begriff Renaissance bezeichnet wird, gleich bedeutend mit "Wiedergeburt" oder "Wiederbelebung". Mit Renaissance wird eine unklare Vorstellung umschrieben, f├╝r die weder ein konkreter Anfang noch ein klares Ende festzulegen ist. Kennzeichnend sind jedoch eine v├Âllige Abkehr von der Barbarei der Dunklen Zeit und Weiterentwicklungen in allen Bereichen, die die Errungenschaften der gro├čen antiken Kulturen hinter sich lassen.

Viele verschiedene Faktoren des Mittelalters trugen zu dieser Wiedergeburt und diesen Entwicklungen bei. Einer davon war das wiedererwachte Interesse an Bildung. 1264 wurde das erste College an der Universit├Ąt zu Oxford gegr├╝ndet. Um 1400 gab es bereits mehr als 50 Universit├Ąten in Europa. Studium und Diskussion wurden durch den Zugang zu antiken Texten angeregt, die von den Arabern aufbewahrt und neu ins Lateinische ├╝bersetzt worden waren. Die Europ├Ąer waren im Heiligen Land, in Sizilien und Spanien auf die Araber getroffen. Die wiederentdeckten Werke des altgriechischen Mathematikers Euklid z. B. wurden zur Grundlage f├╝r den Unterricht in der Mathematik bis ins 19. Jahrhundert hinein. Von den Arabern wurde au├čerdem ein neues Ziffernsystem sowie die Vorstellung von einem Dezimalkomma und der Zahl Null ├╝bernommen, was seinen Ursprung in Indien hatte. Durch die Erfindung der Druckpresse um 1450 fand das Wissen noch schnellere Verbereitung.

Ein weiterer Faktor war der wachsende Lebensstandard, vor allem in den gro├čen Handelsst├Ądten Italiens. Die Kreuzz├╝ge hatten den Blick der Europ├Ąer auf den Reichtum des Ostens gelenkt, besonders auf Seide, Gew├╝rze und Baumwolle. Die Kaufleute aus Venedig, Genua, Florenz und anderen St├Ądten nahmen die f├╝hrende Stellung im Handel zwischen Europa und dem ├Âstlichen Mittelmeerraum ein. Mit den ├ťbersch├╝ssen aus ihren Gesch├Ąften begannen die Kaufleute, ihre H├Ąuser und St├Ądte mit Kunst zu versch├Ânern. Bildhauerei, Malerei, Architektur, Musik, Dichtkunst und Literatur fanden eine neue Ausdrucksweise und spiegelten ein neues Interesse an Dingen wider, die ├╝ber die religi├Âsen Themen, die das Mittelalter beherrscht hatten, hinausgingen. Beliebt waren Darstellungen des allt├Ąglichen Lebens, von Romanzen und Abenteuern. Sie machten deutlich, dass die europ├Ąische Kultur zunehmend humanistisch wurde und sich weniger auf die Religion konzentrierte.

Die "Wiederbelebung" war nicht zuletzt auch auf die Fortschritte in der Technik zur├╝ckzuf├╝hren, die zu einer Steigerung der Warenproduktion und verbesserten Dienstleistungen f├╝hrte. Produktion, Landwirtschaft und Handel entwickelten sich weiter und lie├čen die Antike weit hinter sich. Das Streben nach Gewinn befl├╝gelte Erfindungsreichtum, Entdeckungen und Erkundungen. Eine neue Mittelschicht von Kaufleuten und Handwerkern gewann entsprechend ihrer wirtschaftlichen Macht auch an politischem Einfluss, w├Ąhrend im Gegenzug die Machtstellung des Adels br├Âckelte.

Um 1500 herum waren die europ├Ąischen Staaten Vorreiter in vielen wichtigen Bereichen der Technik. Durch die Erkundung der Welt, die Suche nach neuen Handelswegen, die Protestantische Reformation und den st├Ąndigen politischen Wettbewerb unter den europ├Ąischen Staaten wurden Kr├Ąfte freigesetzt, die Europa innerhalb weniger Jahrhunderte zur f├╝hrenden Region in der Welt werden lie├č.